Zeitzeugengespräch mit Ernesto Adler aus Uruguay

Zeitzeugengespräch mit Ernesto Adler aus Uruguay

Bild1Auschwitz galt und gilt als einer der grausamsten Schauplätze der Gewalt der Nazis.

Auch heute ist das Thema noch aktuell - nicht nur im Geschichtsunterricht, sondern auch beim Zeitzeugengespräch mit Ernesto Adler aus Uruguay.

Er selbst hat den Nationalsozialismus und den Holocaust auch nur aus zweiter Hand erfahren – sein Vater flüchtete während der NS-Zeit nach Uruguay. Als Jude wurde seine Familie in Freiburg zunächst enteignet, verfolgt und schließlich in das KZ Gurs gebracht. Dort verstarb auch der Bruder von Ernestos Vater, Kurt Adler, da man ihm die wegen seiner Epilepsie dringend benötigten Medikamente verweigerte.

All seiner Besitztümer in seiner Heimat beraubt, flüchtete Alfons Adler mit Sohn Werner und Frau Lina nach Montevideo. Dort konnten sie nur schwer Fuß fassen und sich eine bescheidene Existenz aufbauen.

Alfons Adler, Ernestos Großvater, nahm sich darauf Ende des Jahres 1948 das Leben. Werner, der im Bertold-Gymnasium in Freiburg sein Abitur mit einem Einser-Durchschnitt abgeschlossen hatte, heiratete eine Einheimische. Hatte er in Freiburg noch beste Chancen auf eine Anstellung als angesehener Jurist gehabt, fehlten in Uruguay Mittel für das Nötigste.

Auch die „Entschädigungszahlungen“ fielen im Anbetracht des Verlustes und der schrecklichen Leidenszeit der Familie in Gurs zu gering aus. Freiburg, Gurs, die Nazis - davon erzählte Werner seinem Sohn Ernesto viel. Dieser lernte durch diesen auch die deutsche Kultur und Sprache kennen, die er bis heute nicht vergessen hat.

Bild2Sein Vater versuchte nur wenig über die "schlimmen Zeiten" zu reden, wenn, dann tat er dies nur kurz und meistens abgemildert mit Humor.

Trotzdem weiß Ernesto um den Schrecken der Verfolgung durch die Nazis, Ausgrenzung und den Leidensweg vieler Juden zur Zeit des NS-Terrors.

Schon am offiziellen Gedenkabend für die Befreiung von Ausschwitz (29. Januar 2017) war Ernesto Podiumsgast im historischen Kaufhaus. Erstmals konnte hier aus vier vollkommen verschiedenen Perspektiven die Aktualität des Themas neu aufgegriffen werden.

Neben Ernesto berichteten  nämlich noch drei weitere Gäste über ihre Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus. Sara Kuflik aus Zürich, deren Mann noch als Kind die "Polenaktion" Hitlers durchlebte, Ursula Giessler aus Freiburg, die sich als Kind aus einer "Mischehe" über ein Jahr lang versteckt in Stegen aufhielt und Noga Rosenthal aus Israel, dessen Vater als Zionist rechtzeitig aus Deutschland emigrierte.

Jeder konnte so eine andere Einsicht in das Leben der Familien, die durch den Nationalsozialismus enteignet, gequält und vertrieben wurden, vermitteln.

Auch nach dem Umgang mit dem Thema heutzutage wurde gefragt. Obwohl die Qualen und Leiden die die Familien durch den Nazi-Terror durchleben mussten kaum in Worte zu fassen sind, wurde doch nicht zu oft über den Schrecken gesprochen. Man tabuisierte das Thema zwar nicht, wollte aber auch nach vorne schauen können, die Vergangenheit loslassen können. Vergeben, ja vergessen - nein. So konnte auch Gurs durch Noga Rosenthal nur so beschrieben werden: „Wenn man je über Himmel und Hölle spricht kann man nur sagen, dass das Konzentrationslager Gurs die Hölle auf Erden war.“

So weit die Geschichte auch heute für manche zurücklegen mag, so nah konnte sie den Schülern doch durch den Zeitzeugen-Bericht gebracht werden.

Diese zeigten alle großes Interesse, als Ernesto Adler über sein Familienschicksal berichtete.

Andreas Meckel, der zusammen mit seiner Frau, der Stolperstein-Initiatorin Malis Meckel, den Gedenkabend organisiert und gestaltet hat, betonte vor allem, dass wir angesichts jüngster Strömungen und Ereignissen in der Politik wachsam sein müssten.

Besonders der Jugend wurde ans Herz gelegt, die Geschichte aufzuarbeiten und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

Deborah Krzyzowski

zurück