Und es lebt immer noch: Das Wentzinger Cabaret!



Im Jahre 1997 feierte das Wentzinger Gymnasium sein 25jähriges Bestehen, dem auch die Wentzinger Cabaret-AG ihr 16. Programm widmete, beziehungsreich “Wentziläum” genannt. Und es war umfangreich, dieses Programm! Die Bühne konnte die Massen kaum fassen, denn auch ehemalige Kabarettisten beteiligten sich am Rückblick auf 25 Jahre Wentzinger. Wer erinnerte sich noch an den Traum vom eigenen Schullandheim: “Ach, das könnte schön sein, ein Häuschen mit Garten...”. Es gab und gibt ihn immer noch, den Traum von “Schlössern, die in Zwickau liegen...” Und kein Traum, sondern hochaktuelle Realität war “Wentz-Solar” geworden. Und es ging auch bei uns auf der Bühne eine feuerrote Sonne zu Tangoklängen auf: “Wenn am Wentz die heiße Sonne überm Dache steht...”


Fehlen durfte natürlich nicht die Erfindung des Jahres 1997: Das Tamagotchi! (Wer spricht heute noch davon?). Bis dahin gab es noch keine Handys im Unterricht, aber wir stellten uns vor, wie das wäre, wenn... Heute gibt es schon Rundschreiben für Schüler: “Handys im Unterricht sind striktens verboten!”


Ganz klassisch, frei nach Rossini’ ließen wir unser Programm mit einem Jubelchor enden: “Oh diese Schule, das Wentzi, Wentzi, Wentzi, Wentzi...!”


Im Jahre 1998 hatten dagegen wieder alle Mitspieler auf der Bühne Platz. Wentzinger Cabaretists” nannten wir unser Programm in Anlehnung an die Comedian Harmonists, deren verfilmtes Leben damals die Kinosäle füllte. Und bei den Comedian Harmonists entlehnten wir auch manche Melodie für unsere Texte. So hieß es gleich zu Anfang bei uns statt “Wochenend’ und Sonnenschein...” “Montagnacht bei Lampenschein, und wir im Schulhaus ganz allein.” Die Entstehungsnöte eines Kabarettprogramms zu Schuljahresanfang sind immer wieder die gleichen. Doch diesmal wurden sie zumindest durch die schwungvollen Trompetenklänge von Jan Kobler, unserem jüngsten Wentzinger Pensionär, gemildert, der als Gast bei uns mitwirkte.


Aus “Liebling, mein Herz läßt dich grüßen...” wurde bei uns “Christi, mein Herz läßt dich grüßen”. Doch selbst die schluchzenden Geigentöne, die das Lied umschmeichelten, konnten das Herz des Angesprochenen nicht rühren. Er war nämlich nicht da, obwohl doch manchem Wentzinger die Bücherausleihe arg am Herzen liegt.


Sorgten früher die Comedian Harmonists für Begeisterung, so war es im Jahre 1998 ein einziger Mann: Guildo Horn!


Guildo Horn, der idealtypische Lehrer, dynamisch, sportlich, erfindungsreich und immer mit einem Himbeereis oder einer Nußecke als Belohnung!? Ach, wie schön war “Der Tag, als der Guildo kam... - denn nun ein jeder wieder weiß, was das ist, deutscher Geist, Deutsche Kunst und echte deutsche Kultur piepst bei einem nur, und das in Dur -piep, piep, piep.”


Und ewig bleibt die Frage: Wie ist das mit den Lehrern? Wo könnte man noch mehr einsparen? Vielleicht durch Wegfall der Klassenarbeiten und der gleichzeitigen Erhöhung der Deputate? Im “Finanzministerium” in Stuttgart wurden die schulischen Probleme ernsthaft diskutiert - natürlich nur unter rein pädagogischen Gesichtspunkten!


Doch alle Lehrgänge über neue motivierende Methoden und deren Umsetzung und unerwarteten Folgen im Unterricht: “Ich bin ein rotes Blutkörperchen und habe mein Päckchen Sauerstoff dabei!”, ändern nichts an der Erkenntnis “von der zunehmenden Vergreisung der Lehrerschaft und deren verheerenden Folgen für unsere heranwachsende Jugend”. Und die Moral der Moritat von Mackie Messer hieß in diesem Fall bei uns:


“Und der Haifisch, der hat Zähne,
und die trägt er im Gesicht
doch als Lehrer verlierst du jene,
im jahrelangen Unterricht”.


Bleibt zu hoffen, daß die Wentzinger Kabarettisten zumindest ihren Biß nicht verlieren. Doch aus Erfahrung wissend und vorausahnend hieß es schon in unserem Schlußlied:


“Manch einer sagt uns dann,
daß mehr Biß nicht schaden kann,
wir sollten ruhig was wagen,
Hauptsache er kommt nicht dran”.
“Wir wagten uns nicht dran,
weil man nie wissen kann,
ob der, den es beträfe,
auch Spaß verstehen kann.”


Und so gehört ans Ende dieses Artikels noch unbedingt ein großes Dankeschön und Kompliment an Herrn Adler, der während seiner Regentschaft hier am Wentzinger unsere Arbeit ermöglichte, förderte und immer Spaß verstand.


Pfadt


Mitwirkende Cabaret-Mitglieder beim Programm 1997


Fabian Baumann, Klasse 11
Anne Clemens, Klasse 13
Birgit Himmelseher, Klasse 12
Daniel Hirth, Klasse 11
Gabriele Huber, Klasse 11
Sascha Jost, Klasse 11
Isabelle Lutz, Klasse 11
Kristina Schleicher, Klasse 13
Angelika Sonntag, Klasse 11


Ehemalige Cabaret-Mitglieder:


Annette Hoch, Claudia Sachs, Patrick Steiert


Am Klavier: Christian Reck
Leitung: U. Pfadt


Mitwirkende Cabaret-Mitglieder bei den "Wentzinger Cabaretists" 1998

Sarah Goldschmidt, Klasse 9
Birgit Himmelseher, Klasse 13
Alexandra Hoppe, Klasse 9
Gaby Huber, Klasse 12
Sascha Jost, Klasse 12
Angelika Sonntag, Klasse 12


als Gäste:


Sascha Kury, Klasse 7
Michael Kühn, Klasse 7
Gregor Hackenjos, Klasse 7
Paul Kempf, Klasse 8
Alexander, Kling Klasse 8
Tobias Mutter, Klasse 8


Anne Bähr, Violine, Klasse 9
Thomas Dragan, Schlagzeug, Klasse 9
Jan Kobler, Trompete, Wentzinger-Pensionar
Christian Reck, Klavier
Nicolas Bertholet, Beleuchtung, Klasse 11
Alexander Hoppe, Beleuchtung, Klasse 9



Bühnenbild: Jan Kobler


Musikalische Arrangements: Christian Reck


Leitung: U. Pfadt