Festakt für die bislang größte Schulsanierung in Freiburg

BZ vom 17.9.16 - Festakt für die bislang größte Schulsanierung in Freiburg

30 Millionen Euro hat die Rundumerneuerung von Realschule und Gymnasium im Stadtteil Mooswald gekostet. Die siebenjährige Bauzeit war nicht frei von Komplikationen. (Simone Höhl)

Für Lehrer wenig gejammert: Heinz-Werner Brandes begrüßte launig. Foto: Thomas Kunz

Die Wentzinger-Schulen sind fertig. Die Rundumerneuerung von Realschule und Gymnasium im Stadtteil Mooswald hat sieben Jahre gedauert und 30 Millionen Euro gekostet. Bisher der dickste Brocken von Freiburgs Schulsanierungen. Am Freitag wurde gefeiert.

Ein Song für Salomon: Schülerinnen und Schüler sangen für die Festgäste. Foto: Thomas Kunz

Als Heinz-Werner Brandes vor Jahren überlegte, sich an der Wentzinger-Realschule zu bewerben, sah er sich das Gebäude an und sagte: "Nö." Am Freitag sagte der Rektor vor zahlreichen Festgästen, darunter Bürgermeistern, Stadträten und Abordnungen anderer Schulen: "Alles wunderschön." Oberbürgermeister Dieter Salomon erinnerte sich an Zeiten, als er an Schulen kam, "da hieß es, alles ist sch...lecht". Damals erkannte die Stadt, dass viele Schulen marode waren, hatte aber kein Geld und durfte sie nicht mit Firmen im Public-Private-Partnership sanieren. Schließlich erhöhte sie die Grundsteuer. "So haben wir seit zehn Jahren 90 Millionen Euro eingenommen", sagte Salomon. 150 Millionen Euro flossen seither in Schulhäuser. Es stehen weitere an, allein der Neubau der Staudinger-Gesamtschule wird dreimal so teuer wie die Wentzingers.

"Das ist ganz toll geworden", sagte Gymnasialleiter Georg Weiser, "der Weg dahin war aber sehr holprig." 2007 begann der Bau des Ganztagstraktes mit Mensa, 2009 die überfällige Sanierung des Komplexes Baujahr 1974: Von der Decke waren bei Starkregen Platten gefallen, auf dem Nadelfilz Pilze gewachsen, erzählte Weiser. Saniert wurde während des Schulbetriebs. Klassen und Büros zogen von einem Trakt in den anderen. "Für Lehrer wurde relativ wenig gejammert", fand Brandes. Nicht immer hielten sich Firmen an Verträge, eine warf während des Abiturs Bohrhämmer an, erzählte Weiser, der die Sicherung rausdrehen musste. Nicht immer war’s lustig, es gab auch Pfusch am Bau. Als ein zentnerschweres Geländerteil auf die Treppe knallte, stand zum Glück niemand da. Ein Subunternehmer arbeitete öfter schlecht, musste aber wieder eingesetzt werden, weil die Firma, für die er arbeitete, stets das günstigste Angebot abgegeben hatte, berichtete Weiser. Die Mängel zu beseitigen, habe Zeit und Geld gekostet.

So gut wie neu: die Wentzinger-Schulen im Stadtteil Mooswald am Seepark Foto: Thomas Kunz

28 Millionen Euro war die Modernisierung teuer. Die Schulen mit 1500 Schülern bekamen mehr Platz. Durch den Umbau wuchsen sie zusammen, das Gymnasium stellte nebenbei noch auf G9 um, und die beiden bekamen Nachwuchs: Die Paul-Hindemith-Grundschule erhielt noch Extraräume. Zum Sanierungsprojekt gehören auch die angedockte Stadtteilbibliothek und zwei Sporthallen.

Modernisiert wurden auch Möbel und Ausstattung, die zwei Millionen Euro kosteten. Schlagzeilen gab’s, als das Gymnasium mit Musikprofil einen gebrauchten Steinway-Flügel für 70 000 Euro kaufte, die großteils vom Einrichtungsetat des Mensa- und Aulatrakts übrig waren.

Der Schulkomplex erfüllt die neuen Standards für Brandschutz und Barrierefreiheit. Er ist jetzt energetisch und technisch auf dem neuesten Stand. Einen Unterschied wie Tag und Nacht zeigt Albrecht Müller vom städtischen Amt für Gebäudemanagement an einem Vorher-Nachher-Bild in der Schulfestschrift: Früher waren die Flure düster und geschlossen, jetzt sind offen, hell und freundlich.

 

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siehe auch: Feierlicher Start der Sanierung mit OB Salomon 2009