Festakt für die bislang größte Schulsanierung in Freiburg

Rede des Schulleiters OStD Georg Weiser

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Stadträte, sehr geehrte Kolleginnen, Kollegen, Eltern, Schüler, sehr geehrte Gäste,

zunächst möchte ich mich für Ihre freundlichen Worte, Herr Oberbürgermeister, bedanken… und die Gelegenheit nehmen, Herrn Weis, Herrn Mock und Herrn Weh und ihren Schülern für die musikalische Umrahmung zu danken.

Nun zu unserem eigentlichen Thema, dem Abschluss der Sanierung: Rechnet man die Grundsteinlegung für den F-Trakt hinzu, dann sind die Wentzinger-Schulen seit 9 Jahren im Baumodus und seit 8 Jahren ein Sanierungsfall. Dies ist eine lange Zeit, die bei uns allen Beteiligten deutliche Spuren hinterlassen hat.

Eine ganze Schülergeneration kennt die Schule überhaupt nur als Baustelle, die Lehrerkollegien beider Schulen sind kaum noch wieder zu erkennen, weil sie fast komplett erneuert wurden. Die Schulleitungen haben teilweise altersbedingt gewechselt. So ging Herr Wintermantel, der stellvertretende Rektor der Realschule in Pension und Herr Kunzelmann übernahm seine Aufgaben. Herr Gillen, der Schulleiter des Gymnasiums, in den Ruhestand und Herr von der Ruhr übernahm als Stellvertreter am Gymnasium die Fortsetzung der Betreuung der Sanierung. Herr Gillen und Herr Wintermantel hatten neben den jetzigen Schulleitungen den maßgeblichsten Anteil an den Planungsarbeiten zu dem heute zu feiernden fast fertigen Gebäude. Ihnen gebührt unser besonderer Dank.

Bis wir zum heutigen Zustand gekommen sind, mussten wir alle gemeinsam eine Reihe von Hürden überwinden.

Zunächst liefen die Planungen für eine Ganztagseinrichtung im Rahmen des Bundesprogrammes IZBB ins Leere, obwohl die Schule die Konzeptionen sehr frühzeitig vorangetrieben hatte. Dann bekamen die Pläne, die Schulsanierung über eine private public partnership zu finanzieren, eine Abfuhr. Auf diese Weise verzögerten sich der absolut notwendige Bau des F-Traktes und die Sanierung. Derweil unterstützte uns der Bürgerverein Mooswald, indem die Mittagsversorgung für die Ganztagskinder im Hüttingerhaus untergebracht wurde.

Nachdem bereits ein Gutachten der Firma Drees & Sommer im Jahr 2002 Sanierungsbedarf an den Wentzinger Schulen attestiert hatte, begann die Sanierung endlich 2009 mit dem ersten Bauabschnitt, der Verwaltung der Realschule.

In der Zwischenzeit waren nicht nur bei Starkregen vielfach Deckenplatten in den Klassenräumen heruntergefallen. Nach einem Niederschlag floss eingedrungenes Wasser in Kaskaden im Treppenhaus der Realschule herab und wenig später schossen aus dem Teppichboden im Oberstufencafe‘ Pilze auf. Zur Sicherung der Decken in den Kellern musste schließlich sogar eine aufwändige Holzkonstruktion eingezogen werden. Der Zustand des Gebäudes war auch schon ohne die später festgestellten Schadstoffe mehr als desolat.

Daher waren wir über den Baubeginn alle sehr froh, obwohl wir schon ahnten, dass die nächsten Jahre nicht einfach werden würden, nachdem wir schon bis dahin eine kaum überschaubare Anzahl an Bausitzungen mit unterschiedlichen Besetzungen hinter uns gebracht hatten. Ich möchte Sie jetzt nicht mit einer Chronologie der einzelnen baulichen Ereignisse langweilen. Sie finden eine unvollständige Variante in der Festschrift. Ich möchte aber die Gelegenheit nehmen, einige Episoden aus der langen Bauzeit zu erzählen, um zu zeigen, was der Bauprozess mit den Schulen und mit uns gemacht hat.

Mit den beginnenden Bauarbeiten musste auch die Dachterrasse saniert werden. Bei dieser Gelegenheit wurde die auf dem Dach von E vorhandene Sternwarte abgebaut und die wichtigen Teile wie das Teleskop verschwanden irgendwie im Bauschutt. Niemand hat es gemerkt.

Nachdem die Dachterrasse schließlich fertig saniert war, konnten wir sie 2014 das erste Mal freigeben. Damit die vorhandenen Sitzgelegenheiten genutzt werden konnten, wurden Tische für jeden dieser Sitzplätze angeschafft. Leider musste die Dachterrasse bald wieder geschlossen werden, weil erneut Wasser in Klassenräume von oben eindrang. Während dieser Zeit verschwanden leider auch alle neuen Tische. Niemand hat gesehen, wohin diese Tische gekommen sind. Verluste wie diese waren an der Tagesordnung.

Neben großen Verlusten gibt es aber auch große Gewinne. Als Beispiel sei das neue Biotop genannt:

Zwischen C und E befand sich das ehemalige Biotop, von dem uns zugesagt war, dass es am Ende der Bauzeit wieder hergestellt werden solle. Inzwischen gab es aber den Gemeinderatsbeschluss, im Untergeschoss einen Ableger der Paul-Hindemith-Schule unterzubringen. Weil diese einen Teil des Geländes zwischen den Trakten als Schulhof braucht, konnte das Biotop an diesem Platz nicht mehr wieder hergestellt werden.

Der neue Standort befindet sich jetzt zwischen A und C. Im Gegensatz zum alten Biotop gibt es nun eine Umzäunung, die so abgepflanzt wurde, dass Eindringlingen von außen der Zugang erschwert wird. Das Biotop in der heutigen Größe (ca. 60qm) und mit der Umzäunung stellt einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem früheren dar. Das ASB hat sehr bei der Umsetzung dieses neuen Biotops mitgewirkt.

Ein großer Gewinn sind darüber hinaus die übrigen Außenanlagen, die völlig neu gestaltet wurden und in die sich die von den Eltern und dem GMF initiierten Kletteranlagen und der Sportplatz ideal einfügen. Gemeinsam werten alle diese Einrichtungen den Gebäudekomplex auf.

Wie auf jedem Neubau gab es extreme Versager:

Schon nach den ersten beiden Bauabschnitten hatten wir erhebliche Verzögerungen im Bauablauf zu beklagen. So hatte eine Firma aus Ostdeutschland die Ausschreibung für die Fußbodenarbeiten gewonnen. Leider aber fiel es dem verantwortlichen Mitarbeiter sehr schwer, die Fußbodenmenge für den Bauabschnitt richtig zu berechnen. Mehrfach musste er den Linoleumbelag nachbestellen. Dies führte jedes Mal zu einer mehrwöchigen Verzögerung der Bauarbeiten, da die Firma zunächst auf die Ware warten musste und dann erst ein Termin gefunden werden musste, der zwischen die anderen Aufträge in Ostdeutschland passte. Da aber ohne den Fußboden alle Innenarbeiten wie zum Beispiel die Möblierung stoppten, konnte der vierte Bauabschnitt, der A-Trakt, erst deutlich verspätet bezogen werden.

Auf vielfältige Weise wurde unsere Schule Lerngegenstand zum Thema „menschenwürdige Arbeit“ zum Beispiel:

Der vorletzte Bauabschnitt war angebrochen und die Abbrucharbeiten standen an. Eine Firma aus Baden-Baden hatte den Zuschlag bekommen. Sie richtete zwischen dem A- und dem C-Trakt ihre Baustelle ein. Dazu gehörten mehrere Container, in denen die Arbeitskräfte und ein Sanitärcontainer mit Toiletten und Duschen untergebracht waren. Darüber hinaus sollte ein Wohnwagen gestellt werden, in dem noch einmal zwei Arbeiter wohnen sollten. Der Firmenleiter wünschte diesen Wohnwagen im Schulgelände aufzustellen, was uns in der Schulleitung missfiel. Wir genehmigten schließlich mit einigen Bedenken eine Unterbringung in der Tiefgarage.

Im Herbst 2014 begannen die Abbrucharbeiten. Sie dauerten bis in den Februar 2015. Gearbeitet wurde an allen Wochentagen und auch an Sonn- und Feiertagen, was immer wieder Kritik auch aus der Nachbarschaft verursachte. Die Arbeitskräfte kamen ohne Ausnahme aus Osteuropa. Diejenigen in der Tiefgarage lernten wir ein wenig kennen. Sie sprachen kaum deutsch, aber sie hatten durchaus Interesse an der deutschen Sprache. Einige Kolleginnen und Kollegen stellten den Arbeitern Schulbücher zur Verfügung, um ihnen die Langeweile nach der Arbeit zu verkürzen. Im Frühjahr 2015 waren die meisten Abbrucharbeiten im C-Trakt beendet. Es blieben nur einige wenige Reste zu erledigen. Aufgrund dieser Tatsache zog der Unternehmer seine Container ab. Für die Restarbeiten blieben drei der Arbeiter vor Ort. Sie waren für die Entsorgung des Bauschutts zuständig.

Nach ein paar Tagen stellten wir fest, dass diese Arbeiter einen unbelüfteten und ungeheizten Kellerraum als Unterkunft benutzten. Der Abbruchunternehmer hatte sie eigentlich angewiesen, für die verbleibende Zeit im Auto zu übernachten. Die Hausmeister fragten nun nach, wie sich der Unternehmer die Unterbringung für die verbleibende Zeit gedacht habe. Dabei erfuhren sie nicht nur von der Anweisung, im eigenen Auto zu schlafen, sondern es wurde ihnen auch mitgeteilt, dass die Arbeiter als Selbständige in der Firma tätig waren und für ihre Arbeit einen Stundenlohn von 4,10 € verdienen sollten. Leider ging es offenbar der Abbruchfirma schlecht; denn im Februar 2015, als die Arbeiter mit den Hausmeistern gesprochen hatten, war das Unternehmen mit mehr als drei Monaten im Zahlungsrückstand. Einige Tage später stellte sich dann heraus, dass die Firma inzwischen insolvent war, so dass die Arbeiter ihren Lohn wohl nie erhalten haben.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft mehrfach versucht, mit den Arbeitern ein Interview über ihre Arbeitssituation zu führen. Leider scheiterten die Versuche einerseits an der Sprachbarriere und wohl auch, weil die Arbeiter zuvor von ihrem Chef zum Schweigen verpflichtet wurden. Dies erklärt, warum auch die Zollfahndung keine Erkenntnisse über die ungesetzliche Bezahlung und Unterbringung gewinnen konnte. Katar findet man also durchaus auch in Freiburg.

Im Kleinen konnten wir nicht nur die Folgen der Globalisierung erforschen, sondern auch erkennen, warum ein Flughafen in Berlin wohl nie ganz fertig wird oder die Elbphilharmonie unendlich viel teurer wird:

Ein Schreiner hat sich um das Wentzinger-Gymnasium besonders verdient gemacht. Er war zuständig für den Einbau der Türen in den Trakten A, D, C und teilweise für Z. Mit seiner Arbeit hinkte er stets deutlich hinter den Zeitvorgaben her. Die Qualität seiner Arbeit ließ sehr zu wünschen übrig. Türzargen waren mit viel zu kurzen Schrauben befestigt, so dass beim Abitur des Doppeljahrgangs einem Abiturienten eine ganze Zarge auf den Kopf fiel. Glücklicherweise blieb der Schüler unverletzt und er konnte trotz des Holzschlags am Kopf sein Abitur erfolgreich absolvieren.

Obwohl die mangelhafte und stets zu spät abgelieferte Arbeit dieses Schreiners bekannt war, musste er immer wieder eingesetzt werden; denn die Firma, für die der Schreiner als Sub-Subunternehmer arbeitete, gab bei jeder Ausschreibung das günstigste Angebot ab.

Schließlich im November 2015 wurden sämtliche Mängel hinsichtlich des Einbaus der Türen und der Türumrahmungen offenbar. Alle Umrahmungen mussten arbeitsaufwendig im D- und im C-Trakt entfernt werden und neu eingebaut werden. Eine andere Firma übernahm jetzt diese Aufgaben, machte ihre Arbeit ordentlich, kam aber aufgrund der Mängelbeseitigung in Zeitverzug beim Einbau der Türen im Trakt B, weshalb sich der Einzug in diesen Trakt auf Ostern 2016 verzögerte. Außerdem erwies sich das Nacharbeiten als extrem umweltschädlich; denn die falsch eingebauten Umrahmungen mussten entsorgt werden.

Für die Kontrolle des Eingangs hatten wir uns die Wiederherstellung einer Kamera vor dem Sekretariat gewünscht, weil unsere Sekretärinnen in manchen Ferien im Schulhaus sehr einsam sind. Leider funktionierte die eingebaute Kamera nie. Erst nachdem die Garantie nach fünf Jahren abgelaufen war und eine Unzahl von Gesprächen über die Fehlfunktion stattgefunden hatten, erkannte die neue Firma, dass ein falsches Modell mit falschem Aufnahmewinkel eingebaut worden sei. Noch immer nimmt sie leider den Bereich auf, in dem niemand steht und die einsamen Stunden bleiben für unsere Sekretärinnen spannend.

Dass Absprachen im Kollegium manchmal nicht funktionieren, das wissen wir alle. Das gilt oftmals genauso für Schüler. Aber es sind eben Absprachen und keine Verträge. Dass es Vertragspartnern mitunter sehr schwer fällt, solche schriftlichen Absprachen einzuhalten, zeigt das nächste Beispiel:

Während jedes Abiturs gab es schriftliche Absprachen zwischen den Architekten der Schule und den Handwerkern darüber, welche Gewerke weiter gebaut werden durften. Grundsätzlich war alles verboten, was in irgendeiner Form Lärm verursachte.

Ausgerechnet beim Abitur des Doppeljahrgangs 2012 wurden von einer Deckenbaufirma alle Absprachen ignoriert. Mit mehr als fünf Mitarbeitern war die Firma am Morgen von einem Abiturtermin angerückt, um die Halterungen für die Deckenplatten in der Tiefgarage zu montieren. Die Arbeiter nutzten dazu mehrere Bohrhämmer.

Schon kurz nach dem Beginn der Abiturprüfungen kamen Proteste von den Lehrern über den Lärm. Ich ging dem Lärm nach und stellte die Arbeiter zur Rede. Der Vorarbeiter verstand nur wenig deutsch. Auf meine Bitte, die Maschinen auszustellen, gab er mir zur Antwort, diese Arbeit müsse erst fertig gemacht werden. Als ich insistierte und ihm versuchte deutlich zu machen, dass die Schüler einen Anspruch auf Ruhe bei ihren Prüfungen hätten, kam der große und kräftige Mann von seinem Gerüst herunter und sagte: „ Wir jetzt kommen von Baden-Baden. Wir machen nicht so weiten Weg ohne Arbeit!“ Nachdem ich ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, dass der Architekt ihn über die Arbeitspause informiert habe und er selbst den Fehler zu verantworten habe, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, bewegte er sich einige Schritte auf mich zu und drohte mir körperlich.

Die Angelegenheit eskalierte weiter, als ich ankündigte, die Polizei zu verständigen. Er näherte sich jetzt mit eindeutiger Absicht. In diesem Moment hatte ich die rettende Idee. Ich verfolgte das Stromkabel, das von einem benachbarten Kellerraum kam, flüchtete mich dorthin, öffnete mit meinem Generalschlüssel den zugehörigen Sicherungskasten, schaltete mehrere Sicherungen aus und verschwand, nachdem ich keinen Bohrlärm mehr hörte über den C-Trakt im Schulhaus. In der Zwischenzeit hatte Frau Grösser auch Herrn Prettner erreicht. Dieser sorgte nun telephonisch dafür, dass die Firma abrückte.

Während der Umzüge war es fast wie bei der Freiarbeit. Man kann bei einigen Leuten ganz genau erkennen, wie sie ihre Arbeit auffassen:

Als der Umzug der Verwaltung des Gymnasiums aus dem Provisorium im zentralen Gebäudeteil in die Realschule anstand, bekamen wir eine Springerin als Sekretärin. Diese beschwerte sich schon am ersten Tag ihrer Arbeit, dass sie das Inventar des Sekretariats in Kisten verpacken sollte, meldete sich nach zwei Stunden Tätigkeit mit Kopfschmerzen krank und ward nie mehr gesehen. Den Umzug haben schließlich Frau Grösser und ich durchgeführt.

Unvergessen bleiben darüber hinaus die Umzüge in noch nicht fertige Räume. So mussten trotz des vollen Einsatzes von Frau Klemm und Herrn Prettner einige Arbeiten von Handwerkern während der Umzüge von der Verwaltung, von Kunst und Musik und den Naturwissenschaften noch verrichtet werden. Die Handwerker hatten wenig Einfühlungsvermögen für die Anforderungen an den Schulbetrieb und versuchten während der Unterrichtszeit vorhandene Mängel zu beseitigen. Sie bedienten zum Beispiel eine Kreissäge während direkt nebenan im Trakt Unterricht gehalten wurde oder sie strichen die Wände von unseren neu aufgestellten Schreibtischen aus.

Mit Unterstützung von Herrn Professor Haag wurden schließlich die meisten der über die Jahre angesamelten Mängel – Herr von der Ruhr hatte mehrere DIN A 4 – Seiten zusammengetragen - aus den Zeiten der Doppelbelastung: Umzug und Fertigstellung der Gewerke, beseitigt. Lediglich unsere nach Belieben auf und ab fahrenden Jalousien warten noch auf eine Programmierung, die den Sonnenstand berücksichtigt.

Manche Erkenntnis hatten wir in den Schulleitungen zu spät. Während der Unterbringung der Gymnasialverwaltung und des Lehrerzimmers im E-Trakt stellten wir fest, welch immensen Vorteil die kurzen Wege zwischen den Schulen haben. Kontakte zwischen den Kolleginnen und Kollegen ließen sich viel leichter herstellen, als das bei den weit auseinander liegenden Verwaltungen und Lehrerzimmern jetzt möglich ist. Die Zusammenarbeit zwischen den Schulen klappte reibungslos und schneller als heute.

Zu diesem Zeitpunkt war die Verwaltung der Realschule schon fertiggestellt und eine Einrichtung beider Verwaltungen im Z-Bereich leider nicht mehr möglich. Die Chance war verpasst.

Große Irritationen verursachte das Anliegen, im zu sanierenden Gebäude die Oberstufe des THG oder die Hungerbergschule unterzubringen. Die Berechnungen der Raumkapazitäten, die wir von der Schule anstellten und die in der Stadt kalkulierten fielen weit auseinander. Die Enge während der Bauzeit, an die sich fast jede Lehrerin und jeder Lehrer und sehr viele Schüler erinnern können, spricht ihre eigene Sprache. Eine weitere Schule im Haus hätte das Chaos perfekt gemacht. Auch so waren am Schluss sehr viele Fachräume als Klassenräume genutzt, was uns vor große logistische und auch vor Sicherheitsprobleme stellte.

Wer baut, der braucht viel Glück, damit am Schluss doch fast alles stimmt. Und das hatten wir zuhauf:

Besonders viel Glück hatten wir mit den vorbereitenden Planungen, die Herr Gillen seit 2001 bereits vorangetrieben hatte. Mehrere Anläufe, das Haus wieder in Ordnung zu bringen, führten schließlich zum Neubau des F-Traktes und zur anschließenden Sanierung. In beiden Schulen wurden daher seit dem Jahr 2006 die Planungen für die Gesamtsanierung vorgenommen. Im Gymnasium gelang es Herrn Gillen, sehr viele Kolleginnen und Kollegen aus fast allen Fachschaften in die Planung einzubinden. Desgleichen geschah das in der Realschule unter Leitung von Herrn Brandes und Herrn Wintermantel. Das heute beobachtbare Ergebnis entspricht den Vorstellungen sehr vieler beteiligter Lehrer, Eltern und Schüler.

Besonders viel Glück hatten wir mit unseren Architekten, Frau Klemm und ganz besonders mit Herrn Prettner, die nicht nur aus dem verwinkelten und an den Kopfseiten der jeweiligen Trakte zugebauten Gebäude ein klar strukturiertes, Licht durchflutetes, großzügiges Gebäude gemacht haben. Sie haben sich immer wieder neuen Eltern- und Schüler-generationen mit viel Geduld gestellt. Mitunter Farbkonzepte, die längst beschlossen waren, noch einmal neu diskutiert. Sie haben sich mit der einen Schülergeneration hingesetzt ein Konzept für das Osca entwickelt und bis ins Detail mit dieser Generation besprochen, um schließlich zu erkennen, dass die nächste Generation ganz andere Vorstellungen von der Gestaltung des Raumes hat. Alle Änderungsvorschläge und waren Sie auch noch so abwegig, wurden ernsthaft diskutiert und wie man heute sehen kann, zu einem respektablen Ergebnis geführt. Dazu brauchte es viel Geduld und enorm viel Kritik musste ausgehalten werden.

Besonders viel Glück hatten wir auch in der Unterstützung durch das ASB, insbesondere durch die weitsichtige Arbeit von Frau Schäfer. Bei keinem Innenaustattungswunsch vernahmen wir eine barsche Ablehnung. Immer wurden Wege gesucht, wie denn die Vorstellungen von Schulträger und Schule in Einklang zu bringen wären. Herausgekommen sind vorbildlich ausgestattete Klassenräume und beispielhaft mit Technik und Infrastruktur eingerichtete Fachräume, die die Möglichkeit bieten, Kindern und Jugendlichen auf interessante und abwechslungsreiche Weise Naturwissenschaften, Musik und Kunst näher zu bringen. Auch die Aufenthaltsbereiche in den Fluren und die Aufenthaltsräume laden zum Verweilen ein und verbessern die Pausensituation für die Schülerinnen und Schüler ganz bedeutend.

Sehr viel Glück hatten wir auch mit unseren Schulleitungs- und Kollegenteams beider Schulen. Über Jahre hinweg haben wir intensiv und konstruktiv zusammengearbeitet und in zeitaufwändigen Sitzungen nach den für beide Schulen besten Lösungen gesucht. Über all die Jahre hinweg haben beide Kollegien, unsere Sekretariate und die Hausmeister sehr großen zusätzlichen Einsatz zeigen müssen. Das verdient unseren besonderen Respekt. Mit dem Ergebnis nicht nur der Sanierung, sondern auch der Kooperation beider Schulen können wir, so glaube ich, sehr zufrieden sein.

So betreiben wir gemeinsam den Ganztag, wir haben für unsere Sozialarbeiter Räume nebeneinander reserviert und sie kommen aus derselben Organisation, so dass sich mit Sicherheit personelle Synergien einstellen werden. Wir haben uns in den vergangenen Jahren gegenseitig mit Räumen ausgeholfen und nutzen die vorhandenen Fachräume gemeinsam. Wenn wir es schaffen, auch das Lernatelier gemeinsam mit Leben zu erfüllen, dann gehört auch das zu den Glücksfällen.

Besonders viel Glück hatten wir auch mit den Eltern, die unsere Arbeit in den vergangenen Jahren begleitet haben, indem sie wie Herr Kerrmann mit uns nach den bestmöglichen Lösungen für eine gute Essensversorgung gesucht haben. Oder indem sie wie Frau Schwacha-Eipper und dem Bürgerverein Mooswald dafür gesorgt haben, dass die für die Schule wichtige Stadtteilbibliothek auch während des Umbaus im Haus bleiben konnte. Ganz besonders viel Glück hatten wir auch als Frau Hoja und Frau Schnappinger-Seidel mit insistierender Nachhaltigkeit auf ein Konzept für das Außengelände hingewirkt haben. Auch das kann sich sehen lassen: Es ist im Wesentlichen in der Zusammenarbeit zwischen Herrn Müller vom GMF, dem Gartenamt, den Eltern, dem Freundeskreis und Schülern der Schule entstanden.

Noch eine Portion Glück mehr hatten wir ganz am Anfang der Bauzeit. Als im dritten Bauabschnitt erste Arbeiten an den Geländern im Bauteil vorgenommen wurden, löste sich in einer Pause ein schweres Holz-Metallstück von der Betonabgrenzung im Treppenhaus B400 und fiel 6 Meter tief ins Treppenhaus. Es war trotz der Pause kein Schüler in unmittelbarer Nähe, so dass niemand zu Schaden kam. Wir stellten später fest, dass der verantwortliche Handwerker den schweren Handlauf nur mit dem Beton verklebt hatte, eine Maßnahme, die für die Belastung in Schulen sicher völlig ungeeignet ist.

Trotz dieser vielen Glücksfälle war die Bauzeit für uns eine „Operation am offenen Herzen“, wie Herr Klauser das richtig charakterisiert hat. Diese Operation war gekennzeichnet durch eine Reihe von Komplikationen. Bei deren Lösung viele geholfen haben. Ihnen allen sei herzlich gedankt. Ohne sie hätten wir heute keinen Grund zum Feiern.

Allen, die an der Sanierung des Hauses mitgewirkt haben, der Stadt, dem Gemeinderat, den Verwaltungen, den Architekten, dem Projektsteurer, den Kolleginnen und Kollegen aus beiden Schulen, den Eltern und Schülern, den Sekretärinnen, den Hausmeistern, den Raumpflegerinnen und schließlich den ehemaligen Schulleitungen und besonders Herrn von der Ruhr, der dem technischen Innenleben des Hauses den letzten Schliff gegeben hat und gemeinsam mit Herrn Kunzelmann und Herrn Holzamer über die Abarbeitung der Mängellisten unnachgiebig wachte, danke ich sehr herzlich. Ich glaube, wir haben nun ein Schulhaus, das für die Zukunft gerüstet ist und so möglichst intakt gehalten werden sollte.

Was ist noch zu tun? Sie werden es sehen, wenn Sie unserer Einladung folgen und nach dem an den Festakt anschließenden Sektempfang den Tag der offenen Tür nutzen, um sich im Gebäude umzusehen. Noch fehlen in vielen Flurteilen im Z-Bereich Vitrinen und Hängeeinrichtungen für Bilder, noch fehlt das Mobiliar für unsere beiden Aufenthaltsräume, den Lehrerruheraum und für die Lehrerbibliothek. Auch der Brunnen vor dem Haus wartet noch auf eine Entscheidung darüber, ob und wie er wieder in Betrieb genommen werden kann. Es wäre schön, wenn wir mit ihm den Gedanken unserer Schülerinnen und Schüler symbolisch wieder Flügel verleihen dürften.

Es lohnt sich, in die Klassenräume in A und B zu schauen. Die Klassen haben in kleinen Projekten versucht, einen Ausschnitt aus ihrem schulischen Alltag zu verlebendigen. Wer außer den Lehrern und den Schülern der Schule bei der Prämierung der Klassenprojekte mitwirken möchte, kann sich am Stand des Freundeskreises im Foyer des Gymnasiums einen Beobachtungsbogen mitnehmen, bevor er in die Klassenräume geht. Im E-Trakt präsentieren die Schülerinnen und Schüler eine Klassen-Olympiade.

Abschließend, liebe Zuhörer, möchte Sie auf unsere Festschrift aufmerksam machen, die zum Teil die Bauhistorie in Wort und Bild darstellt, zum Teil aber auch den Umbau unserer Schulen in den letzten Jahren skizziert. Herrn Gass-Bolm, Herrn Quitzsch und Frau Saar, einer Schülermutter, die das Layout gefertigt hat und allen anderen Akteuren möchte ich an dieser Stelle für die bebilderte Momentaufnahme am Ende der Bauzeit danken. Sie markiert einen wichtigen Punkt in der Geschichte unserer Wentzinger Schulen.

Sie zeigt zudem, dass sich in den nächsten Jahren auch die zweite Baustelle, das G9, weiter entwickeln wird und wir hoffen inständig, dieses besondere Bildungsangebot im heterogenen Freiburger Westen auf Dauer gestalten zu können. Es kommt unseren Kindern und allen Elternhäusern unseres Einzugsbereiches, an dem sich seit Einführung des G9 nichts geändert hat, zu Gute.

So wichtig, wie die Fortführung des G9 ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen Gymnasium und Realschule, um für jedes Kind der Region den richtigen Weg zum persönlichen Erfolg zu finden. Diese Suche darf keine Einbahnstraße sein. Dies bedeutet, dass der Wechsel auf das allgemein-bildende Gymnasium an vielen Stellen möglich sein muss und mit der elften Klasse dann auch wieder standardmäßig für die besten Realschüler gelingen kann.

Sie sehen, liebes Publikum, mit dem Ende der Bauzeit ist kein Ende eines Umbaus wirklich erreicht. Wir arbeiten weiter daran und feiern, dass wir eine große Last los sind.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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siehe auch: Feierlicher Start der Sanierung mit OB Salomon 2009