Offizielle Verabschiedung unseres Schulleiters OStD W. Gillen

Teamplayer mit Spürnase für künftige Entwicklungen - BZ vom 25.7.2012

Wolfgang Gillen, 13 Jahre lang Schulleiter am Wentzingergymnasium, geht in den Ruhestand / Nachfolger wird Georg Weiser.

Zum Abschied sagt er leise "Tschüß" und wird mit Standing Ovations von den Gästen gefeiert. Ein wie immer farblich mit Bedacht gewählter letzter Blumenstrauß – in weiß – für seine Sekretärin Cornelia Grösser. Und ein roter für Ehefrau Christine, seine "persönliche Supervisionsgruppe" in all den Jahren als Schulleiter am Wentzingergymnasium.

Wolfgang Gillen verlässt kein "sinkendes Schiff", wenn er sich nun mit 63 Jahren vorzeitig in den Ruhestand hat versetzen lassen. Im Gegenteil: "Volle Fahrt voraus" heißt es nach seinen Worten für das Gymnasium im Freiburger Westen, dessen 800 Schülerinnen und Schüler nicht alle aus bildungsnahen Elternhäusern kommen.

Der "Bildung für alle" fühlt sich Gillen verpflichtet und orientiert sich dabei nicht allein an Effizienz und Machbarkeit, sondern an den Begegnungen, die dabei zwischen Menschen stattfinden.

"Man muss auf die Zwischentöne achten", sagt er in rheinischem Singsang, der noch immer die Herkunft aus Düsseldorf verrät und den augenzwinkernden "rheinischen Humor" durchscheinen lässt, der ihn als unabdingbare Zutat durch sein fast 40 Jahre währendes Pädagogendasein begleitet hat. Dem Studium der Mathematik, Philosophie und Erziehungswissenschaft in Freiburg waren 25 Jahre am Faust-Gymnasium in Staufen gefolgt, bis er vor 13 Jahren den Chefsessel im Wentzinger bestieg. Und dort eine Ansammlung von inneren und äußeren Baustellen auf sich zukommen sah: Das Kollegium in die Jahre gekommen, das Gebäude marode (die herunterkrachenden Decken sind Schulbürgermeisterin Gerda Stuchlik noch alptraumartig in Erinnerung) und eine Bildungspolitik, die nach Aufbruch verlangte.

Auf allen drei Baustellen hat er zugelangt und ist dabei, wie der auf Harmonie bedachte Mann einräumt, Konflikten nicht ausgewichen. "Wir haben immer Lösungen gefunden", bestätigt Stuchlik. Die Sanierung am Wentzinger ist bald abgeschlossen, der Umbau zum ersten Ganztagesgymnasium in Freiburg längst vollzogen. Gillen hat Kooperationspartner von außen hereingeholt wie die Ökostation für die ökologische oder den SWR für die musikalische Bildung.

Das inzwischen verjüngte Wentzinger-Kollegium gilt seinem Nachfolger Georg Weiser als "nachhaltigster Teil seiner Arbeit". Eine "einzigartige Zusammenarbeit" verbinde ihn mit Weiser, der bislang Konrektor war. "Es geht nahtlos weiter", versichert Gillen. Den "Teamplayer mit Hang zum Genießen" und einer "Spürnase für künftige Entwicklungen" lässt die Schulverwaltung ungern ziehen, wie Thomas Steiner versichert. Der für die Gymnasien zuständige leitende Regierungsschuldirektor kann sich eine Lobeshymne nicht verkneifen. Auch wenn Wolfgang Gillen sich eine andere Art von Feier "ohne große Reden" gewünscht hatte.

Die bekam er auch, mit Faust und Mephisto, mit Dave Brubeck, Kabarett und Ratespiel, an dem sich nicht nur der Regierungsschuldirektor, sondern auch der Personalrat, die Sekretärin, die Elternbeiratsvorsitzende und sonstige am Schulleben Beteiligte auf kreative und sehr anrührende Weise beteiligten. In Brecht’scher Manier zogen Schüler mit Dankesplakaten an ihm vorbei. "Mehr Freiräume" will der Gefeierte sich fortan gönnen. Die Kollegen freuen sich schon aufs "Chillen mit Gillen beim Grillen".

 

Foto: Bamberger

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