Spannende Lesung zu den Edelweißpiraten

Spannende Lesung zu den Edelweißpiraten mit Jugendbuchautor Dirk Reinhardt

ReinhardtAm Mittwoch, 5. Juni, war der Jugendbuchautor Dirk Reinhardt aus Münster zu Besuch im Wentzinger-Gymnasium. Reinhardt, von Haus aus Historiker und Journalist, widmet sich seit mehreren Jahren seiner Leidenschaft und schreibt Romane für Kinder und Jugendliche. Sein aktuelles Buch „Edelweißpiraten“ stellte er nun bei uns vor.

In drei Lesungen für alle neunte Klassen, die 8c sowie einen K1-Kurs führte er die Schülerinnen und Schüler zunächst lebendig in die Thematik ein. Die Edelweißpiraten waren Jugendliche aus der Arbeiterschicht, die sich dem Diktat des Nationalsozialismus und der Hitler-Jugend nicht unterwerfen wollten. Dabei hatten sie zunächst gar keine politischen Motive. Sie wollten sich einfach ihre Freiheit in der Freizeit bewahren, die nach zehn- bis zwölfstündigen Arbeitstagen in der Fabrik ohnehin knapp bemessen war. Sie wollten die Musik hören und auch selbst Reinhardtmachen, die sie wollten, sich auch mit dem anderen Geschlecht treffen, auffällige Kleidung und Frisuren tragen, wie sie wollten. Was heutigen Jugendlichen normal erscheint, war in der Hitler-Jugend, die für alle Jugendlichen (sofern sie als „deutsch“ definiert wurden, also nicht jüdische Jugendliche) eigentlich Pflicht war, nicht möglich. Schließlich zielte die Hitler-Jugend auf die nationalsozialistische Indoktrination der Jugend, auf die Vorbereitung der Jungs auf den Krieg und der Mädchen auf die „Mutterschaft“. Freiheiten sind in einem solchen totalitären System nicht möglich.

Die Geschichte seines Buchs hat Dirk Reinhardt zwar erfunden, aber er hat hierfür sorgfältig recherchiert, so dass alles so oder so ähnlich abgelaufen ist. Eindrücklich las Herr Reinhardt Stellen aus seinem Buch vor, in denen die Edelweißpiraten, die sich anfangs nur von der HJ fernhalten wollten und gelegentlich Schlägereien mit dieser hatten, unter dem Druck der Gestapo zunehmend politischer wurden und auf ihre einfache Form Protest übten. Ob durch Sprüche wie „Kurze Haare, große Ohren/So war die HJ geboren!/Lange Haare, Tangoschritt/da kommt die HJ nicht mit!“, durch Flugblattaktionen („Einst wird kommen der Tag/wo wir wieder frei/unsere Ketten entzwei“) oder in der Endphase des Kriegs sogar durch Anschläge auf NS-Einrichtungen. Dadurch wurden viele Edelweißpiraten auch zu Opfern des NS-Terrors. Herr Reinhardt las eine Stelle aus seinem Buch vor, in der Jugendliche in den Kellern der Gestapo körperlich und psychisch gefoltert werden. Bei unseren Schülerinnen und Schülern machte dies auch durch die authentische und sympathische Art von Herrn Reinhardt offenkundig Eindruck. Eine leise Empörung war bei einer Lesung bemerkbar, als die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass der Kölner Gestapobeamte, der im Buch Edelweißpiraten grausam folterte und der auf einer realen Person beruhte, nach dem Krieg fast ohne Strafe davonkam.

Nach der Lesung konnten die Schülerinnen und Schüler Fragen an Herrn Reinhardt stellen. Zum Abschluss zeigte der Autor einige Fotos von Edelweißpiraten, von Gestapokellern, ja auch von einer öffentlichen Hinrichtung, der auch Jugendliche zum Opfer fielen.

Der weite Weg von Herrn Reinhardt hat sich gelohnt. Unsere Schülerinnen und Schüler haben so Geschichte auf ganz andere Art und Weise näher gebracht bekommen und manche dürften auch Lust auf Bücher bekommen haben.

Bericht: T. Gass-Bolm/Fotos: C. Gangotena

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