2015 Bulgarischer Besuch

2015 - Bulgarische Schüler zu Besuch in Freiburg

FotoBulgarien? Warum sollten sich unsere Schüler mit Gleichaltrigen aus einem Land treffen, das ihnen so fremd ist? Nicht wenige dürften so gedacht haben. Verständlich, und doch gibt es viele Gründe, warum es zu einem Besuch bulgarischer Schüler kam. Und es war ein sehr erfolgreiches Zusammentreffen, das es lohnen würde fortgesetzt zu werden.

Der Kontakt kam über einen unserer ehemaligen Abiturienten, Felix Hoffmann (Abitur 2014) zustande, der am Fremdsprachengymnasium Ivan Vasov in Plovdiv sein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Ein FSJ mit Folgen, denn Felix regte einen Kontakt zwischen seiner früheren Schule und seinem jetzigen Arbeitsplatz an. So kam es, dass 18 junge Bulgaren zusammen mit ihren Lehrerinnen, Frau Schabanska und Frau Paskaleva, am Sonntag, 21. Juni, in Freiburg eintrafen, um drei Tage mit Schülerinnen und Schülern der K1 des Wentzinger-Gymnasiums, dem Neigungskurs Geschichte von Herrn Gass, zu verbringen. Sollte es auf unserer Seite Vorbehalte gegenüber der Gruppe aus dem ärmsten Land der EU gegeben haben, verflogen diese schnell. Die bulgarischen Schülerinnen und Schüler, die erst nach bestandener Prüfung auf dem Fremdsprachengymnasium aufgenommen wurden, erwiesen sich als sehr freundliche, sympathische, gebildete, bescheidene und bildungsinteressierte junge Menschen, die den deutschen Schülerinnen und Schülern doch viel ähnlicher waren, als man vielleicht vermutet hätte. Und sie sprachen ausgezeichnet deutsch – nach drei Jahren Deutschunterricht, was vor allem an dem sehr intensiven Schulprogramm liegt. In Klasse 8, dem ersten Lernjahr des Gymnasiums Ivan Vasov, lernen die Schüler 22 Stunden (!) Deutsch.

Foto2Drei Tage lang verbrachten die Schüler beider Gruppen im Studienhaus Wiesneck bei Buchenbach und lernten sich kennen. Sie erkundeten gemeinsam Freiburg, diskutierten kontrovers über ihre Sicht auf Deutschland, Bulgarien und Europa, liefen gemeinsam über Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs auf dem elsässischen Hartmannsweilerkopfs und durch Colmar, um die Ursprünge der europäischen Einigung, die deutsch-französischen Beziehungen kennen zu lernen. Aber auch private Themen kamen nicht zu kurz, gemeinsame Spiele und gemeinsames Grillen ließen Barrieren schnell verschwinden.

Ziel des Projekts war es aus deutscher Sicht, Menschen eines Landes kennenzulernen, das seit 2007 Mitglied der EU ist, von dem wir aber fast nichts wissen. Noch sind die osteuropäischen Staaten für uns terra incognita, im Kopf sind die Grenzen, die aus Zeiten des Kalten Krieg stammen, noch nicht verschwunden. So war es kein Zufall, dass für die Bulgaren, die bis 1990 unter kommunistischer Herrschaft lebten, Europa vor allem die Aufhebung von Grenzen in Europa, die Freiheit reisen zu können bedeutet. Und was bedeutet Europa für uns? Nach 1945 war Europa für uns Deutsche vor allem die Antwort auf zwei Weltkriege, Europa heißt für uns „Nie wieder Krieg“. Aber in Zeiten von EU-Osterweiterung, drohendem „Grexit“, Euro-Krise und Referendum in Großbritannien ist Europa für unsere Jugend immer weniger greifbar geworden, immer mehr ein Krisen- statt eines Zukunftsprojektes. Europa ein ganz kleines Stück weiter zu bauen, darum ging es bei der deutsch-bulgarischen Begegnung, und das ist gelungen. Alle Beteiligten sprachen sich für eine Fortsetzung des Kontaktes aus.

Wie viel die gemeinsamen Tage bewirkt hatte, sah man nicht nur bei der Verabschiedung der Bulgaren am Freiburger Hauptbahnhof. Auch die Worte, die zwei Schüler zum Abschluss an die beiden Gruppen richteten, Yanko Bobev für die Bulgaren (in ausgezeichnetem Deutsch vorgetragen) und Alex Druzba für die Deutschen, machten den Erfolg dieser Tage offenbar.

"Nach 3 Tagen mit meinen deutschen Mitschülern kann ich sagen, dass es mir sehr viel Spaß gemacht hat. Am meisten hat mich gefreut, dass ich viele neue Leute kennengelernt habe. Ich habe meine Sprache verbessert. Ich fühle mich jetzt sicherer beim Sprechen. Ich habe auch für mich eine ganz neue Stadt gesehen - Freiburg. Das, was ich sagen kann, ist, dass Freiburg eine wunderschöne Stadt ist. Ich werde auf jeden Fall wieder kommen. In diesen 3 Tagen haben wir im Studienhaus Wiesneck gewohnt. Da haben wir zusammen verschiedene Themen über Europa diskutiert. Wir haben die Unterschiede zwischen Deutschland und Bulgarien gesehen. Jeden Abend haben wir verschieden Spiele gespielt, die mir für mein ganzes Leben in Erinnerung bleiben werden."  Yanko Bobev (17 Jahre, Ivan Vasov Gymnasium Plovdiv, Bulgarien)

Bericht: Torsten-Gass-Bolm

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