Lyrikerfolg für junge Umkircherin Magdalena Wejwer

Lyrikerfolg für junge Umkircherin (BZ vom 17.6.2015)

Bild1Magdalena Wejwer gewinnt beim "lyrix"-Wettbewerb / Preisverleihung jetzt in Berlin.

UMKIRCH. Die 18 Jahre junge Umkircherin Magdalena Wejwer gehört zu den diesjährigen Preisträgern des Bundeswettbewerbs "lyrix". Die Schülerin des Wentzinger-Gymnasiums in Freiburg wird am Freitag, 19. Juni, zusammen mit elf weiteren jungen Dichtertalenten aus dem ganzen Bundesgebiet in Berlin mit dem "lyrix"-Preis 2014 ausgezeichnet, den der Deutsche Museumsbund, der Philologenverband und der Deutschlandfunk gemeinsam ausrichten. Der "lyrix"-Wettbewerb lädt jeden Monat junge Leute dazu ein, über das Internet Gedichte einzusenden, für die mit einem wechselnden Thema ein Leitmotiv vorgegeben wird. Zusätzlich gibt es dazu als Anregung passende zeitgenössische Gedichte sowie Informationen zu Exponaten aus Museen. Madgalena Wejwer hatte es mit ihrem Gedicht "Wrigley’s Extra" unter die Gewinner des April 2014 geschafft, in dem das Thema "Losreis(s)en" lautete. Dieses Gedicht schaffte es nun auch in die Reihe der für das ganze Jahr 2014 ausgezeichneten besten zwölf Gedichte. Auch mit ihrem Gedicht "Zufall?!?" hatte es die junge Umkircherin im Juli 2014 in die Monatsauswahl geschafft. Als Preis erwartet Magdalena Wejwer und die elf anderen Nachwuchslyriker eine ganztägige Schreibwerkstatt mit den Lyrikern Uljana Wolf und Norbert Hummelt, am Donnerstag, 18. Juni im Literarischen Colloquium Berlin. Die Preisverleihung selbst findet in der Gedenkstätte Berliner Mauer statt. Am Samstag, 20. Juni präsentieren die Preisträger ihre Texte ab 19 Uhr bei einer Lesung im Sputnik-Kino in Berlin.

 

"Wir wollen uns selbst ausdrücken und dabei verstanden werden" (BZ vom 4.7.2015)

Magdalena Wejwer aus Umkirch hat den ersten Preis eines Bundeswettbewerbs für junge Poeten gewonnen / Mehrtägiger Austausch in Berlin.

UMKIRCH. Dichten im stillen Kämmerlein? Für Magdalena Wejwer ist das keine Bedingung. Die 17-jährige Umkircherin kann auch während einer Zugfahrt lyrische Zeilen zu Papier bringen oder in einer Pause zwischen zwei Seminaren an der Uni. Und früher, als Schülerin am Freiburger Wentzinger-Gymnasium, hatte die diesjährige Lyrix-Preisträgerin immer ein Notizbuch griffbereit, um ihre Gedanken festzuhalten. So wichtig wie das Schreiben ist der jungen Frau aber auch der Austausch über Gedichte. Dazu hatte sie jetzt ausgiebig Gelegenheit, war sie doch als eine von zwölf Preisträgern des Lyrix-Wettbewerbs in Berlin.

"Am Abend, als wir angekommen waren, saßen wir schon zusammen im Hotelzimmer auf dem Boden und haben uns gegenseitig unsere Gedichte vorgelesen", erzählt Magdalena. Die dreieinhalb Lyrix-Tage waren intensiv. "Das war Stress, aber im positiven Sinne", schildert Magdalena, wie sie das Programm erlebte, zu dem Schreibwerkstätten mit "echten Dichtern", nämlich Uljana Wolf und Norbert Hummel, zählten.

Magdalena Wejwer war auch schon einmal auf der Leipziger Buchmesse und nahm dort an Schreibwerkstätten und einer Lesenacht teil. "Bei diesen Treffen geht es nicht darum, ein Gedicht zu interpretieren, so wie man es aus dem Schulunterricht kennt", erklärt sie. Viel wichtiger sei der Austausch über den Prozess des Dichtens. Analyse und Deutungshypothesen, die auch in ihrem Germanistik-Studium gefragt sind, stehen hintenan. "Wir diskutieren vielmehr über die sprachliche Basis unserer Gedichte, wie wir sie selbst verstehen und wie sie von den anderen wahrgenommen werden."


Da komme es schon vor, dass man merkt, dass andere das eigene Gedicht deutlich anders aufnehmen als man selbst. Dann forsche man gemeinsam nach, ob die Unterschiede auch am Einsatz der gewählten sprachlichen Mittel liegen. Faszinierend findet es Magdalena, hier auch Unterschiede in so einer Gruppe herauszuarbeiten und dabei das eigene Dichten reflektieren zu können. "Am Ende der Woche hätten wir unsere Gedichte in einen Topf werfen können, ohne Namen, und hätten sie dann einander zuordnen können – so gut konnten wir unsere Stile und Geschmäcker voneinander unterscheiden", schildert sie.

Das Schreiben von Gedichten, aber auch Erzählungen und Versuche mit Theaterstücken beschäftigen Magdalena schon lange. Als sie es wieder einmal im Schulunterricht nicht lassen konnte, nebenher zu schreiben, war es ausgerechnet ihr Mathelehrer, der einmal näher hinschaute. "Er schlug mir vor, mal zu einer Veranstaltung des Literaturbüros in Freiburg zu gehen, da war ich in der achten Klasse", erinnert sie sich. So fand sie einen Resonanzraum für ihr Dichten. "Ich beobachte mich selbst, wie ich schreibe, wenn ich es nur für mich tue, oder wenn ich etwas verfasse, von dem ich schon denke, dass ich es einem Publikum vortragen möchte".

Bei einer Kulturakademie des Landes wurde sie auch auf das Lyrix-Projekt aufmerksam. Seit Ende 2012 schickt sie jeden Monat Gedichte ein. Elf Mal war sie schon unter den Monatsgewinnern. Sie empfand es bereichernd, sich auf die jeweiligen Themen einzulassen. "Es ist interessant zu merken, wie man Dinge um einen herum plötzlich unter dem Leitthema sieht." Mit ihrem sechsstrophigen Gedicht "Wrigley’s Extra" zum Thema "Losreis(s)en" für April 2014 schaffte sie es unter die zwölf Preisträger für 2014.

Im Austausch mit anderen dichtenden jungen Leuten bringt sie auch Gedichte ein, die bei einem Wettbewerb leer ausgingen, "einfach, weil ich erfahren will, warum ein Gedicht nicht ankam, warum es anders wirkte, als ich mir das gedacht habe". Denn das hat Magdalena in den Begegnungen, auch mit gestandenen Literaten, gemerkt: "Wichtig ist für uns, wir wollen uns selbst ausdrücken und dabei auch verstanden werden."

Die Tage in Berlin boten dabei Ansporn über die Preisverleihung hinaus. Sie hätten intensiven Austausch mit den Jurymitgliedern gehabt, dabei auch Einblick in die Verlagsszene bekommen und so etwas wie "Berufsorientierung für Poeten", erzählt Magdalena. Ein Sprechtraining im Studio des Deutschlandradios machte den jungen Dichtern deutlich, wie ein gekonnter Vortrag die sprachlichen Qualitäten und den Inhalt eines Gedichts erst richtig zur Entfaltung bringen kann.

Magdalena ist überzeugt, dass sie die Freude am Dichten behält. Große Karriereträume hegt sie dabei nicht, zumal mit Lyrik kaum Geld zu verdienen sei. Natürlich wäre es schön, wenn Texte von ihr auch mal in Buchform zu haben sein könnten, vielleicht auch in einer Anthologie junger Dichter. Aber Berufsschriftsteller? "Ich glaube, da wäre ich weniger frei und könnte vielleicht nicht mehr so schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist", sagt die Studentin, die ihr Abitur schon mit 16 Jahren machte und nun im zweiten Semester studiert, um einmal Lehrerin zu werden. Natürlich in Deutsch – und in Mathe.

 

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