"Koffer gepackt und überlebt"

"Koffer gepackt und überlebt"

Bild1Mit einem der letzten Kindertransporte konnte die Halbjüdin Ursula Michel 1939 nach London ausreisen - mit einem winzigen Köfferchen. Den hatte Judith Rhodes heute dabei, als sie den neunten Klassen und der 10 c vom Schicksal ihrer Mutter erzählte.

Judith Rhodes wurde in England geboren und lebt auch heute dort. Seit dem Tod ihrer Mutter reist sie immer wieder nach Deutschland, um an Schulen über das Dritte Reich zu sprechen. Sie sucht den Austausch mit Jugendlichen und berichtet dabei sehr persönlich über ihre Mutter und deren Familie, die in Konzentrationslagern ermordet wurde. Ihr ganzes Leben lang, so lässt uns Judith wissen, lebte Ursula Michel mit dem Gefühl, schuldig am Tod ihrer jüngeren Schwester zu sein. Dies war eine so schwere Last für sie, dass sie sich später die Erklärung zurecht legte, die Eltern hätten die Schwester mehr geliebt und deshalb sie weggeschickt. Die Briefe der Mutter an ihre Tochter jedoch zeigen, dass dies in keinster Weise der Wahrheit entspricht. Es war gängige Praxis, dass nur ein Kind pro Familie Deutschland verlassen durfte und so fiel das Schicksalslos auf Ursula.

Sie fand in England eine neue Heimat, konnte einen Schulabschluss machen, verliebte sich, heiratete und blieb in England. Vieles wurde gegenüber der Tochter Judith verschwiegen, zu entsetzlich war der Verlust der Familie. Heute erzählt Judith die Geschichte ihrer Mutter, gibt ihrem Schicksal eine Stimme und ist dabei ganz nah bei den Schülern, die alle möglichen Fragen stellen durften. Was sie über den Tod der Großeltern herausfinden konnte, ob es ihr schwer fällt, nach Deutschland zu reisen und was ihr die Kraft gibt, immer wieder über das Schicksal ihrer Familie zu sprechen.

BildWir haben zuerst einen Film der Landeszentrale für Medien Rheinland-Pfalz gesehen, der das Schicksal der Ursula Michel schildert. Im Anschluß daran konnten die SchülerInnen Fragen stellen und auch persönliche Gegenstände von Ursula Michel in die Hand nehmen, die sie damals nach England mitbrachte: eine Strickjacke, persönliche Fotos, eine Parfumflasche, ein besticktes Taschentuch. Alles musste in diesen winzigen Koffer passen und es war Ursulas Eltern verboten, ihre Tochter am Tag des Abschieds an den Bahnhof zu bringen. Das Grauen von damals so einfühlsam und informativ in Worte und Bilder zu packen, das gelang dem Film und Judith Rhodes. Für die SchülerInnen waren es sehr spannende und beeindruckende 90 Minuten und wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich für den Besuch am Wentzinger Gymnasium bedanken: Liebe Judith, bitte kommen Sie wieder.


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