Deutsch am Wentz

Georg Büchner zu Gast am Wentz

 

Das „TheatermobileSpiele“ kam am 14 November in die Klassenzimmer der Kursstufe zwei des Wentzinger Gymnasiums in Freiburg, um ihr Theaterstück „Büchner. Die Welt. Ein Riss“ als Abiturvorbereitung vorzuführen und einen Einblick in die Welt und Werke Büchners zu ermöglichen.Die Produktion wurde vom Regisseur Thorsten Kreilos geleitet und ein ausgebildeter Schauspieler setzte das Stück vor den Schülern um, ohne sie dabei direkt miteinzubeziehen oder persönlich anzusprechen, wodurch sie für ihn zu einer „vierten Wand“ wurden. Zwischendurch wurden die Zuschauer dann aber trotzdem indirekt angesprochen, wenn sich bestimmte Textpassagen des „hessischen Landeboten“ an die Bürger zu Büchners Zeiten wendeten.

Das Interessante daran war, dass die vielen verschiedenen Auszüge aus Büchners Werken: „Woyzeck“, „Lenz“, „Leonce und Lena“, „Dantons Tod“, dem „hessischen Landboten“ und einigen persönlichen Briefen so miteinander verknüpft wurden, dass sie entweder miteinander korrespondierten oder kommunizierend gegen- und nebeneinander standen. Die meisten Auszüge verdeutlichten die sozialen Missstände zu der damaligen Zeit aufgrund der ausgeprägten Ständegesellschaft, handelten von Büchners kritischem Menschenbild oder den Themen Tod und Geburt.

Auffällig für den Zuschauer war außerdem das Bühnenbild aus mehreren Schichten von modernen Materialien wie Plastikplanen und Stoffen aus Büchners Zeit wie zum Beispiel Jute. Dieses kontrastreiche Bild stellte so eine Verbindung zwischen den Epochen her und machte deutlich, dass die Texte wie beispielsweise „der hessische Landbote“ auch heute noch aktuell sind und dass sich verblüffend viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit feststellen lassen.

Im Verlaufe des Stücks wurden die verschiedenen Planen vom Schauspieler selbst entfernt und legten eine skelettartige Konstruktion aus naturbelassenen Ästen frei, wodurch die beeindruckende Vielschichtigkeit Büchners sehr gut dargestellt wurde. Nach Ende der Vorführung konnten die Schüler noch offene Fragen stellen und sowohl mit dem Schauspieler als auch mit dem Regisseur über die Umsetzung und möglicherweise schwerer verständliche Passagen diskutieren.

In dieser Nachbesprechung legte besonders der Schauspieler den Schwerpunkt auf den Aktualitätsbezug und es wurde deutlich, dass es den Machern wichtig war zu vermitteln, dass Büchner, in seiner Funktion als Aktivist für Demokratie und Menschenrechte, seiner Zeit weit voraus war und sich seine Ideen und Werke auch fast 200 Jahre später noch auf moderne Gesellschaftssysteme übertragen lassen.

Die Besprechungsphase muss daher besonders gelobt werden da sie für die Schüler eine gute Gelegenheit bot, sich mit dem eben Erlebten direkt auseinander zu setzen. Man kann also sagen dass die Inszenierung „Büchner. Die Welt. Ein Riss.“ eine sehr interessante und innovative Art war, den Zuschauern einen Eindruck von Büchner und seinen Werken zu vermitteln ohne dabei an klassischen Theaterregeln festzuhalten.

Sueva Chabenat

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