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Austausch-Bericht: Wir in Sarasota, Florida (USA)

 

Die Spannung und Erwartungen waren groß, nachdem wir das Auswahlverfahren (mehr als 50 Bewerber und nur 16 Plätze) bestanden hatten. Unser Englisch- und Biologielehrer kommt aus Florida und hatte für das Wentzinger-Gymnasium ein Austauschprogramm zusammengestellt, das einerseits einem klassischen High School-Austausch entsprach und gleichzeitig fächerübergreifend die Erforschung bedrohter Ökosysteme (Mangrovenwälder, Everglades, Korallenriffen, etc.) anbot. Es gab einige Austausch-Regeln, zwei jedoch waren von besonderer Bedeutung: „Use your English“ und „Say yes whenever you can“. Wir waren also dort, um wirklich in die englische Sprache einzutauchen und möglichst viel mit unseren Gastfamilien zu erleben.

Am 5.4.2010 trafen wir uns in aller Frühe vor der Schule, verabschiedeten uns von unseren Eltern und machten uns auf den Weg nach Sarasota, Florida. Dort erwarteten uns unsere Gastfamilien und das einzigartige Klima Floridas. Nach einer sehr kurzen Nacht besuchten wir gleich am nächsten Morgen die erste Stunde an der Riverview High School. Angenehm überrascht waren wir von einem absolut sauberen und hoch modernen Schulgebäude. Anstelle von „normalen“ Tafeln gab es sogenannte „Active Boards“, die mit Touchscreen funktionierten. Die Tische und Stühle der Schüler, die jeweils miteinander verbunden waren, standen in Reihen. Die Lehrer hatten jeweils ihr eigenes Klassenzimmer und die Schüler wechselten von Stunde zu Stunde den Raum. Die Schüler hatten jeden Tag denselben individuellen Stundenplan aus sieben selbstgewählten Fächern. Keiner kam mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule, die meisten wurden von ihren Eltern gefahren, fuhren Schulbus oder selbst mit dem Auto.

Weil wir jedes Bisschen unserer Englisch-Kenntnisse anwenden mussten, hat sich unser Englisch schnell weiterentwickelt. Wir kamen richtig in die Sprache rein und gegen Ende der zweiten Woche haben wir sogar schon auf Englisch gedacht. Am Wochenende hatten die Gastfamilien Zeit, etwas mit ihren Austauschschülern zu unternehmen, und am zweiten Wochenende gab es ein großes gemeinsames Fest für alle am Austausch beteiligten Personen.

Wir hatten zwei wunderschöne, unvergessliche Wochen in Sarasota, in denen wir viel über Amerika gelernt und unsere Englisch-Kenntnisse umfangreich verbessert haben. Beeindruckend war auch, wie freundlich uns die Gastfamilien aufgenommen und ins Herz geschlossen haben. Egal, ob reich oder arm, sie haben alles für uns getan, was für sie möglich war.

Am 21.4. trafen wir uns zur Abfahrt an der Riverview High School und fuhren zu den Everglades, ein besonderes Ökosystem, das wir aus Deutschland überhaupt nicht kannten. Während wir in Deutschland oftmals einen schönen Blick in den Schwarzwald genießen können, gibt es in den Everglades unendliche Weiten ohne Berge. Keine Menschenseele weit und breit und Sumpf, soweit das Auge reicht. Natürlich darf man die vielen Alligatoren, die sich hier am wohlsten fühlen, nicht vergessen. Eigentlich ist es unvorstellbar, dort zu leben. Doch ein Indianerstamm, die Miccosukee, haben sich diesen Ort zum Leben ausgesucht. Mit einem Propellerboot gelangt man zu ihrem Dorf, das, im wahrsten Sinne des Wortes, mitten in der „Pampa“ liegt.

Dann ging es weiter nach Key West – eine unvergessliche Reise. Man fährt vier Stunden lang auf einem Highway von Insel zu Insel mit dem tropischen Meer links und rechts und der blendenden Floridasonne. Wir kamen Abends an, und schon am nächsten Morgen um 8:30 Uhr machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Boot. Nach einer Stunde kamen wir am Korallenriff an. Jetzt war es an der Zeit, den Inhalt unseres Meeresbiologiebuches endlich hautnah zu erleben. Im klaren, tropischen Wasser sahen wir Korallen, Fische, Schildkröten, Quallen und sogar einen Hai. Wir erkannten unmittelbar die Auswirkungen des Klimawandels an den zum Teil beschädigten Korallen. Zurück auf der Insel haben wir das Haus des Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway besucht, dessen Kurzgeschichten wir im Englischunterricht behandelt hatten.

Am nächsten Tag reisten wir nach Miami. Zwar war uns das Thema „Melting Pot“ ein Begriff, aber es war wirklich erstaunlich, wie dort so viele verschiedene Menschen – vor allem aus Mexiko und Kuba (z.B. im Stadtteil „Little Havana“) – mehr oder weniger zweisprachig zusammenleben. Auch die materiellen Gegensätze waren beeindruckend. Viele Obdachlose und Bettler liefen herum und gleichzeitig ist die Stadt voller Stars und sehr wohlhabenden Menschen, die mit Limousinen oder sehr teuren Autos wie Lamborghinis und Bentleys herumfahren. Unser Lieblingsort in Miami war der berühmte Art Deco District am South Beach. Nach eineinhalb Tagen in Miami ging es dann wieder nach Deutschland zurück.

Wir haben an unserer Partnerschule und bei den Gastfamilien einen guten Eindruck hinterlassen und waren sehr erfreut zu erfahren, dass das Austauschprogram im Jahreswechsel mit unserer zweiten Partnerschule in Palo Alto, Kalifornien fortgesetzt wird.

Bedanken möchten wir uns ganz herzlich bei Herrn Gillen und Herrn Opitz für die Initiative des Austauschprograms, bei Frau Roth für ihre Begleitung, und vor allem bei Herrn Graves für eine unvergessliche Zeit und sehr wertvolle Erfahrungen!

Bericht: Charlotte Wolf, Erik Brauer, Tobias Grugel

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BZ-Artikel vom 5.5.2010