Avrillé vom 5.10. bis 14.10.2016

Flüchtlingsprojekt mit Wentzinger Schülern und deren Austauschpartner aus Montpellier

"Am meisten vermisse ich meine Familie und den Duft von Jasmin."

Im Rahmen des Austauschs mit unserer Abibac-Schule aus Montpellier beschäftigten sich unsere Schülerinnen und Schüler und deren Austauschpartner am Mittwoch, den 23.11.2016 mit den Themen Flüchtlinge und Integration. Eine deutsch-französische Gruppe recherchierte zur Situation von Flüchtlingen in Freiburg und den Kindern der Vorbereitungsklassen am Wentzinger Gymnasium. Die Schüler erarbeiteten Fragen, die sie anschließend den Kindern aus den Vorbereitungsklassen und deren Lehrern und Betreuern stellten. Die Begegnung mit unseren Mädchen und Jungen aus u.a. Syrien, Afghanistan und dem Irak und die gegenseitige Verständigung waren nicht nur für unsere französischen Gäste äußerst interessant und eine große Bereicherung.

Die zweite deutsch-französische Gruppe durfte sieben junge Männer aus Syrien begrüßen, die von Frau Fall von der Fachstelle für Zuwanderung und Integration in Emmendingen und Herrn Dietrich, ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig, begleitet wurden. Seit September 2015 sind Louay (29) und Khaled (22) und deren Freunde in Deutschland. In einem exzellenten Deutsch berichteten Louay und Khaled über „ihr“ Syrien. Unterstützt durch sehr eindrückliche Bilder begaben wir uns auf eine Zeitreise durch Syriens reichhaltige und alte Geschichte (Damaskus gilt mit seinen mehr als 5000 Jahren als älteste Hauptstadt der Welt) und seine Schätze an Hochkultur. Wir lernten die Bevölkerungs- und religiösen Gruppen kennen und „bereisten“ die größten und wichtigsten Städte dieses wunderschönen Landes, so wie es sich vor dem Krieg und der Zerstörung präsentierte. Wir konnten „den Duft von Jasmin“, die „Geräusche und Gerüche der Souks“ und das Rauschen des Meeres förmlich riechen und hören. Wir erlebten den Dabke, einen traditionellen syrischen Tanz, den uns Louays und Khaleds Freunde darboten und wir hätten am liebsten mitgetanzt zu den Klängen der Musik.

Immer mehr verstanden wir das riesige Ausmaß der Zerstörung, das unfassbare Leid der Bevölkerung und insbesondere der Familien der Vortragenden und die spürbare Trauer unserer Gäste über das „verlorene Paradies“. Wir waren alle sehr bewegt.

Im Anschluss erfuhren wir in einer Fragerunde viel Persönliches von unseren Gästen u.a. Wie sie sich auf die Flucht begaben und welche Route sie einschlugen um nach Deutschland zu kommen. Wie kompliziert sich der Kontakt zu ihrer Familie in Syrien gestaltet. Welche Berufe die jungen Männer ausüben und wie sehr sie motiviert sind, die „unheimlich schwere deutsche Sprache“ noch besser zu lernen. Wie sehr sie Deutschland und „die deutschen Menschen“ schätzen und wie gerne sie hier auch beruflich Fuß fassen möchten. Zur großen Erleichterung unserer französischen Gäste sprach Louay fließend französisch und konnte somit auch Fragen auf Französisch beantworten! Auf die Frage, was sie denn am meisten vermissen kam die Antwort recht spontan: „Am meisten vermisse ich meine Familie und den Duft von Jasmin in den Straßen von Damaskus.“

In der Begegnung und der Kommunikation mit unseren Gästen wurde Konstantin Weckers „Traum“, der von Herrn Dietrich auf die Frage „Warum sind Sie ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig“ vorgetragen wurde (Ich habe einen Traum, 2015) greifbar:

„Vielleicht wird es eng? Wir rücken zusammen,
versenken die Waffen im Meer,
wir reden und singen und tanzen und lachen
und das Herz ist uns nicht mehr schwer.

Ja wir teilen, und geben vom Überfluss
es geht uns doch viel zu gut
und was wir bekommen ist tausendmal mehr:
und es macht uns unendlich Mut“

Unsere Schülerinnen und Schüler bedanken sich hiermit nochmals ganz herzlich bei unseren syrischen Gästen und Frau Fall und Herrn Dietrich für den eindrücklichen Vortrag und die offene Gesprächsrunde.

Viel Glück! Bonne chance!

Kristina Meyer (Abteilungsleitung Fremdsprachen und Abibac)

 

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