Plastic Education: Vortrag und Diskussion der 11. Klassen (NWT)

Plastic Education: Vortrag und Diskussion der 11. Klassen (NWT)

BildAm 07.11.2019 und 29.01.2020 hielt der Experte Daniel Bichsel am Wentzinger-Gymnasium einen Vortrag zum Thema „Plastic Education“. Schülerinnen und Schülern der 11. Klasse wurde die Möglichkeit geboten, sich näher mit der Plastikverschmutzung der Weltmeere auseinanderzusetzen.

Der vortragende Experte Daniel Bichsel ist ein professioneller „Freediver“, der Tauchgänge auf der ganzen Welt unternimmt. Sei es bei Unterwasserspaziergängen auf Mallorca, den Philippinen, den Seychellen oder in heimatlichen Baggerseen, die Faszination der Unterwasserwelt lässt ihn nicht mehr los. Die Bilder seiner Tauchgänge strahlen eine berührende Stille und Friedsamkeit aus. Da er ohne Pressluftflasche taucht und keine störenden Gasblasen erzeugt, lassen die Meerestiere die unmittelbare Nähe zum Menschen zu. So kommt es zu unvergesslichen Momenten beim Stelldichein mit Krake und Walhai. Das Freitauchen ist für ihn die Kunst der Atempause. Es bietet ihm die Möglichkeit, sich eine Auszeit vom zunehmend beschleunigten Lebensalltag zu nehmen.

Leider nehmen bei seinen Tauchgängen die Irritationen durch treibende Plastikartikel dramatisch zu: „Geisternetze“ werden für Meeresbewohner zum Gefängnis und zur Todesfalle. Räuber, die sich von Quallen ernähren und diese mit Plastiktüten verwechseln, verhungern oder ersticken qualvoll. Im Magen eines kürzlich gestrandeten Pottwals wurden Unmengen an Plastikmüll gefunden. An der Küste ist es nicht besser: Einige Städte in Südamerika entsorgen ihren kommunalen Müll per Kipplaster in küstennahen Flüssen. An manchen asiatischen Stränden sieht man vor lauter Plastik-Treibgut den Sand nicht mehr. Selbst an entlegensten Stränden ohne Landzugang lassen sich Zigarettenkippen finden. Ganz zu schweigen von der Mikroplastik, die aus Shampoo, Zahnpasta und aus Waschwasser von Outdoor-Kleidung den Weg in die Meere und in die Mägen aller Lebewesen findet.

Neben diesen eindringlichen Bildern vermittelt der Vortrag viel interessantes Hintergrundwissen und viele Fakten. Beispielsweise lernen die Schülerinnen und Schüler, dass die natürliche Zersetzung von einer Angelschnur an die 600 Jahre benötigt. Und dass in Asien von den weltweit produzierten 300 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr nur 49% den Weg in die Mülltonne finden. In Afrika sind es mit 31% noch deutlich weniger. 37% des EU-Plastiks gelten durch Export nach Asien und China als „recycelt“, obwohl an der ordnungsgemäßen Verwertung vor Ort große Zweifel bestehen. Erst kürzlich haben China und die Philippinen aufgrund ihres eigenen großen Müllproblems den Import von Plastik zu Recyclingzwecken gestoppt.

Daniel Bichsel bringt gleichermaßen die grandiose Schönheit der Unterwasserwelt, wie auch die unhaltbaren Zustände eindringlich ins Gedächtnis. Sein Vortrag ist an alle ein Aufruf zu handeln. Ein Apell ans Publikum, nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung zu sein. In den Pausen zwischen den Filmsequenzen haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit auf Fragen zu reagieren und Rückmeldungen zu geben. In der abschließenden Gruppenarbeitsphase suchen die Schülerinnen und Schüler Lösungsansätze, diskutieren über die jeweilige Machbarkeit ihrer Ansätze und lernen bereits existierende Initiativen kennen. Schwimmende Barrieren auf dem Meer oder „clean-ups“ sind nur einige der möglichen Maßnahmen. Daniel Bichsel organisiert zusammen mit weiteren Mitstreitern Aktionen vor der eigenen Haustür. Bei einem „clean-up“ von wenigen 100m Dreisam-Ufer sammelten die überwiegend jungen Teilnehmer innerhalb nur einer Stunde einen ganzen Berg von Müll: Von der Babywindel bis zum verrosteten Fahrrad war alles dabei.

Daniel Bichsel erreicht die Schülerinnen und Schüler durch seine persönliche Betroffenheit, die professionell gestalteten, ästhetisch wie emotional ansprechenden Filmsequenzen und durch das vermittelte Gefühl, selber aktiv werden zu können. Am Ende der Veranstaltung waren die Schüler inspiriert, informiert und ihnen die Möglichkeit an die Hand gegeben, selbstwirksam zu handeln.

Weitere Veranstaltungen werden folgen ...

 

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