Wenzinger: Weltmann und Wohltäter

Von der Geschichte gefesselt (BZ vom 11.11.2010)

 

Würtenberger zeichnet Siegerinnen und Sieger des Wettbewerbs "Die Fünfziger Jahre – zwischen Mief und Rock’n’Roll" aus .

Gewinnerinnen des Wettbewerbs „Freiburger Schulen im Archiv“ mit Regierungspräsident Julian Würtenberger und Organisatorin Sybille Buske (links) : Nora Bachmann, Celia Schütt und Laura Wisser (von links). Foto: th.kunz

Die Sieger des zweiten Wettbewerbs des Freiburger Netzwerks Geschichte zum Thema "Die Fünfziger Jahre – zwischen Mief und Rock’n’Roll" stehen fest. Bei einer Feier im Basler Hof übergab Regierungspräsident Julian Würtenberger am Dienstag die Preise. Insgesamt haben 16 Schülerinnen und Schüler neun Arbeiten eingereicht. Es wurden acht Preise verliehen, wobei die zehnköpfige Jury von Geschichtslehrern und Archivaren in der Beurteilung zwischen der Sekundarstufe (bis Klasse 10) und der gymnasialen Kursstufe unterschieden hat.

Es gab zwei erste Preise: An Laura Wisser vom Denzlinger Erasmus-Gymnasium für ihre Arbeit über die Verdrängung der Judenverfolgung in den 1950er Jahren sowie an Nora Bachmann und Celia Schütt vom Droste-Hülshoff-Gymnasium in Herdern, die die Berichterstattung über die Reaktionen 1952 auf die Aufführung des ersten Nachkriegsfilms "Hannah Amon" des Regisseurs Veit Harlan untersuchten. Harlan hatte mit dem 1940 erschienen antisemitischen Film "Jud Süß" die nationalsozialistische Propaganda verstärkt. Die drei jungen Frauen werden ihre Arbeiten am Freitag bei einem Symposium der Robert-Bosch-Stiftung "Denkwerk" in Weimar vorstellen.

Nach einer methodischen Einführung haben sich die Jugendlichen von März bis Juli in den historischen Archiven Freiburgs mit originalen Quellen vertraut gemacht und aus eigenen Erkenntnissen ihre Arbeiten erstellt. Julian Würtenberger zeigte sich in seiner Ansprache beeindruckt von der Themenvielfalt und der Qualität der Arbeiten. Finanziert wird der Wettbewerb von der Stadt, der Stiftung "Denkwerk" und der Stiftung zur Förderung der Jugend der Sparkasse Freiburg.

Die Lobrede zu Ehren der Preisträger hielt der emeritierte Literaturprofessor Hans-Peter Herrmann. Und er war ins Herz getroffen, von der Tüchtigkeit und Ausdauer der jungen Leute, von der Intensität mit der sie an der Arbeit waren, von der Ausdruckskraft der Darstellungen und nicht zuletzt von den Wirkungen, die das Forschen, Verstehen sowie das Formulieren und Präsentieren der Erkenntnisse ausgelöst hat. "Das wirkliche Fesseln für ein Thema habe ich erst jetzt erfahren,…bei jedem neuen Mal schien sich ein Netz aus den Archivseiten zu spinnen", zitierte der Laudator einen der jungen Teilnehmer.

Auseinandersetzung mit Geschichte stärkt Demokratie

Ein anderer ließ die Juroren wissen: "Jetzt, wo ich mich mehrere Monate lang mit einem Thema beschäftigt habe, sickert so langsam das Verständnis durch, dass Geschichte noch mehr ist, als das bloße Dokumentieren von Sachverhalten. Man kann einiges über Menschen und Schicksale erfahren." Und auch diese Schüler-Erkenntnis prägte sich dem Zuhörer ein: "Der Zeitgeist war vor 60 Jahren ein anderer, aber die Wertvorstellungen haben sich nicht geändert."

Abgesehen von der Wissensvermittlung geht es dem Netzwerk Geschichte genau um solche Wirkungen, wie der Regierungspräsident betonte. Er sagte: "Die Auseinandersetzung im Spiegel historischer Ereignisse und Entscheidungsprozesse in der Stadt Freiburg stärkt unsere Demokratie heute."

Internet: http://www.freiburger-netzwerk-geschichte.de  

Die weiteren Preisträger

Der 2. Preis (jeweils 150 Euro) geht an Jan Kursawe vom Berthold-Gymnasium, der die Situation der Behelfsläden in den Nachkriegsjahren beleuchtete, sowie an Julia Schubert und Morten Grage vom Wentzinger Gymnasium (alle Sekundarstufe), die die Wiederaufbauplanung von Joseph Schlippe erforschten.

Der mit 100 Euro dotierte 3. Preis geht an Nora Jander und Mascha Wahlig vom Droste-Hülshoff-Gymnasium. Sie untersuchten das studentische Leben in den 1950er Jahren.

Ein Sonderpreis für Gestaltung (Büchergutschein im Wert von 40 Euro) geht an Janine Jenne vom Wentzinger Gymnasium für ihre Arbeit über Schule, Freizeit und Konsum.

Buchpreise im Wert von jeweils 20 Euro erhalten David Zschocke, ebenfalls vom Wentzinger-Gymnasium, für seine Arbeit über das KPD-Verbotsverfahren und Juliana Bachert vom St.-Ursula-Gymnasium für eine Untersuchung der Verhältnisse an ihrer Schule in jener Zeit.