BZ-INTERVIEW mit Michael Weh

BZ vom 2.4.14 - BZ-INTERVIEW mit Michael Weh und Gerald Lauby zum Projektchor des MGV Oberried.

Eine reizvolle Konzertform

Gerald Lauby
(1. Vors. MGVOberried)
Michael Weh, Fotos: Christian John

OBERRIED/FREIBURG. Am Freitag, 4. April, veranstaltet der Männerchor "Schwarzwald" aus Oberried im Kaisersaal des Historischen Kaufhauses in Freiburg einen Konzertabend mit Werken von Brahms, Schubert und Schumann. Neben dem Männerchor sowie Schülern der Abschlussklasse des Neigungskurses Musik des Wentzinger Gymnasiums in Freiburg treten namhafte Solisten auf. Über die Zukunft von Männerchören und über die Kooperationen für diesen Konzertabend sprach unser Mitarbeiter Christian John mit Chorleiter Michael Weh und dem Vorsitzenden des MGV Oberried, Gerald Lauby.

BZ: Herr Lauby, wie alt ist denn das jüngste Mitglied bei Ihnen im Männergesangsverein?

Lauby: Der Jüngste ist 18 Jahre alt, er ist einer unserer Projektsänger. Wir arbeiten für das Konzert im Historischen Kaufhaus mit einem sogenannten Projektchor. Hierfür haben wir Männer angeworben, bei diesem Konzert den Männergesangverein bis zur Aufführung zu verstärken. Danach hoffen wir, dass die Projektsänger Freude am Gesang gefunden haben. Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 60 Jahren.

BZ: Was unternehmen Sie in Zeiten aussterbender Gesangsvereine, um Ihren Chor fit für die Zukunft zu machen?

Lauby: Der Projektchor ist hierfür eine Maßnahme für die Zukunft. Wir haben vor drei Jahren schon einmal ein ähnliches Projekt initiiert, damals mit dem Thema "Mozart und die Freimaurer". Wir hatten hierfür ebenfalls Projektsänger für den Chor angeworben und das Ganze zusammen mit den Schülern unseres Chorleiters aufgeführt.

BZ: War das Mozart-Projekt nachhaltig für den Chor?

Weh: Definitiv. Sowohl von der Verstärkung durch neue Sänger als auch vom Erlebnis her. Der Chor wird immer wieder auf das Konzert von 2011 angesprochen. Es ist einfach eine reizvolle, ungewohnte Konzertform.

Lauby: Damals waren 13 Projektsänger dabei, von denen sechs fest im Chor geblieben sind. So ähnlich erhoffen wir es uns dieses Mal wieder.

BZ: Sie arbeiten mit der Abschlussklasse des Neigungskurses Musik des Wentzinger Gymnasiums zusammen, die Sie, Herr Weh, unterrichten. Wie sieht dabei die Zusammenarbeit aus?

Weh: Männerchor und Neigungsklasse proben nicht zusammen. Einen Teil übe ich mit dem MGV, einen Teil mit dem Neigungskurs und erst zum Konzert, zur Generalprobe, treffen sich die Ensembles. Die Beiträge wechseln sich beim Konzert ab, der MGV übernimmt die Chorpartien, die Schüler liefern textliche und instrumentale Beiträge.

BZ: Was erwartet die Zuhörer am 4. April im Historischen Kaufhaus?

Weh: Eine sehr interessante Konzertform! Zum einen werden Textbeiträge mit akademischem, musikhistorischem Hintergrund, also Beiträge aus Tagebüchern und Briefwechseln von Clara Schumann und Brahms, vorgetragen. Dann haben wir mit Barbara Ostertag eine hervorragende Alt-Solistin gewinnen können, die mit ihrer Duo-Partnerin Elisabeth Stäblein-Beinlich konzertiert. Außerdem werden Solisten aus meinem Kurs zu hören sein, hauptsächlich mit einigen ungarischen Tänzen. Der Männerchor wird Werke aus der Romantik singen, vor allem Brahms. Dessen Alt-Rhapsodie  wird in der Regel kaum von Männerchören gesungen, da sie sehr schwierig ist. Also eine interessante Mischung, da verschiedene Musikausführungen zusammenkommen und sich ergänzen. Es wird auf jeden Fall sehr abwechslungsreich und spannend.

Lauby: Das Historische Kaufhaus bietet hierfür einfach ein besonderes Ambiente. Der Kaisersaal ist wahrscheinlich einer der schönsten, wenn nicht der schönste Konzertsaal in Freiburg.

BZ: Muss man sich um die Zukunft von Männerchören Sorgen machen? Wie sieht die Zukunft des MGV Oberried aus?

Lauby: Es ist tatsächlich so, dass alte, traditionelle Männerchöre ans Aufhören denken, weil keine jüngeren Sänger dazukommen. Deshalb muss man immer wieder tätig werden. In Oberried sind wir zwar mit einem Stammchor von 38 Sängern sehr gut aufgestellt, aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen, sondern müssen immer wieder Sängerwerbung betreiben. Hierfür ist das Modell "Projektchor" wohl die beste Möglichkeit, jüngere Männer anzusprechen. Inserate, Werbeveranstaltungen oder Einzelansprachen auf der Straße haben nahezu keine Erfolgschancen, weil sich erst mal niemand lang binden will. Bei unserem Projektchor bekommen Interessenten die Chance, für eine begrenzte Zeit in den Chor zu schnuppern, dann fällt auch die Entscheidung leichter, vielleicht doch im MGV aktiv zu werden. Was die Zukunft angeht, arbeiten wir mit dem Jugendchor "Sing It" und mit dem Kinderchor der Grundschule Oberried zusammen.

Weh: Außerdem gibt es unsere "Ohrwürmer", ein hier in der Regio recht bekanntes A-Capella-Ensemble. Wer bei den "Ohrwürmern" mitsingen will, muss Mitglied im MGV sein.

BZ: Welchen Grund gibt es, einen MGV nicht für Frauen zu öffnen?

Der Projektchor des MGV Oberried bei einem Konzert im Historischen Kaufhaus in Freiburg 2011. Foto: John

Lauby: Würden wir diesen Schritt gehen und uns zu einem gemischten Chor verändern, würden wir viele Sänger verlieren. Männerchöre haben oft eine lange Tradition. Unser MGV wurde 1907 gegründet. In Oberried gibt es mit dem Kirchenchor bereits einen gemischten Chor, aber der Männerchor sollte Männerchor bleiben.

Gerald Lauby, 53 Jahre, wohnt in Freiburg-Tiengen und ist Vorsitzender des MGV "Schwarzwald" Oberried. Dort singt er seit 35 Jahren als Tenor im Männerchor.

Michael Weh, 42 Jahre, wohnt mit seiner Familie in Freiburg und leitet den Männerchor des MGV Oberried seit 14 Jahren. Weh arbeitet als Musik- und Mathematiklehrer am Wentzinger Gymnasium in Freiburg. Er hat intensiv bei dessen Umstellung auf G 9 mitgewirkt und leitet die Big-Band der Schule.

 

zurück zur Lehrerseite