Mehrmann Arbeitslos im Sommer?

Sparmaßnahme: Wenn Lehrer in den Sommerferien arbeitslos werden (BZ vom 22.3.17)

Am heutigen Mittwoch diskutiert der Landtag über die Praxis, Lehrer über die Sommerferien zu entlassen. Christian Mehrmann, Referendar am Wentzinger Gymnasium in Freiburg,schildert seine Erfahrungen.

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Christian Mehrmann ist Referendar in Freiburg (dpa)

Die Entlassung von fertig ausgebildeten Lehrern in den Sommerferien ist von je her ein Zankapfel. Die einen wollen keine Privilegien für junge Pädagogen. Die anderen verweisen auf die Abwanderung dringend benötigter Lehrkräfte in andere Länder.

Was tun im August?

Christian Mehrmann sieht dem Monat August mit Bangen entgegen. Nachdem er sein Referendariat am Freiburger Wentzinger Gymnasium absolviert hat, stürzt er - zumindest kurzzeitig - in die Arbeitslosigkeit. Bis zum Unterrichtsbeginn am 11. September steht er mittellos da. Das Land bezahlt ihn während der Sommerferien nicht. Das geht jedes Jahr Tausenden jungen Pädagogen so.

"Ich finde das eine unnötige Sparmaßnahme in einer Zeit, in der man als junger Lehrer auf das Geld angewiesen ist", sagt Mehrmann. Und das sei bislang mit 1311 Euro im Monat nicht so üppig gewesen, dass er etwas auf die hohe Kante hätte legen können. Der 31-Jährige spielt nun mit dem Gedanken, Hartz IV zu beantragen.

Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beginnt mit den Sommerferien im Südwesten für insgesamt fast 8000 Lehrer die Arbeitslosigkeit. Darunter sind 4000 bis 5000 Referendare und 2000 bis 3000 befristet beschäftigte Lehrer.

"Viele gehen aus dieser Phase verschuldet heraus - zumal wenn sie sich in der Familiengründung befinden", sagt GEW-Geschäftsführer Matthias Schneider. Die Gewerkschaft fordert die Bezahlung beider Gruppen in den Sommerferien. Die benötigte Summe - 10 bis 15 Millionen Euro - sei überschaubar. "So kann der Lehrerberuf attraktiv gehalten werden", glaubt Schneider.

"Da ist dann erstmal nichts." Christian Mehrmann

Im August kommen ungeachtet der Ebbe in der Kasse hohe Kosten auf den angehenden Lehrer für Geschichte und Englisch zu. Da er nicht damit rechnet, in Freiburg bleiben zu können, stellt er sich auf einen Umzug ein. Wie er einem potenziellen Vermieter sein Einkommen nachweisen soll, weiß er nicht so recht. "Da ist dann erstmal nichts." Wenn man eine neue Stelle antritt, so erzählt Mehrmann, müssten auch neue Kleidung und Bücher angeschafft werden. Er hoffe darauf, dass seine Mutter ihm ein bisschen unter die Arme greife.

Wenigstens ist im kürzlich geschlossenen Pakt für die Landesbeamten vorgesehen, dass vom 1. Januar 2018 an die gesenkte Eingangsbesoldung wieder angehoben wird. Vorgängergenerationen mussten - wie andere junge Beamten auch - in den ersten drei Jahren im Staatsdienst mit acht Prozent weniger Einkommen auskommen.

Kein Wunder, dass Referendare in den Grenzregionen zu anderen Bundesländern oder der Schweiz Baden-Württemberg verlassen, meint der dunkelblonde junge Mann mit Brille. Absolventen ziehe es aus Mannheim und Heidelberg nach Rheinland-Pfalz, wo es keine Abzüge und Geld von Anfang August an gibt. Aus Südbaden bewerben sich viele Lehrer in spe in die Schweiz.

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