Teachers for Future unterstützen die Klimastreiks BZ 2019

Teachers for Future unterstützen die Klimastreiks der Schüler in der Region (BZ vom 20.11.2019)

Bild
Die Teachers (von links): Peter Göttler, Viviane Sigg und Torsten Gass-Bolm Foto: Ingo Schneider

Um die 500 Lehrerinnen und Lehrer gehören der bundesweiten Teachers-for-Future-Bewegung an. Jedenfalls haben so viele die Petition "Ich unterstütze meine Schüler*innen! Konsequenter Klimaschutz jetzt!" unterzeichnet. Damit wollen die Lehrerinnen und Lehrer ihre Achtung für das umweltbewusste und demokratische Engagement der Schüler zum Ausdruck bringen, heißt es auf dem Internetportal der Teachers. "Von einer Bewegung kann noch nicht die Rede sein", sagt Viviane Sigg, Realschullehrerin aus Herbolzheim und Mitgründerin der Gruppe. Aber die Zahl der Unterstützer wächst. In Freiburg engagieren sich bislang 15 Lehrer, weitere folgen der Gruppe über Facebook oder den Mail-Verteiler.

Termin: Fridays for Future ruft am Freitag zum Klimastreik durch Freiburg auf Seit den Sommerferien kommen die Teachers einmal im Monat am Stammtisch zusammen. Sie sind nicht nur aus der Stadt Freiburg, sondern auch aus Titisee-Neustadt oder beispielsweise Ehrenkirchen. Über die sozialen Medien, Flyer und Kundgebungen möchten sie die Schülerinnen und Schüler unterstützen. "Wir sagen ihnen nicht, dass sie schwänzen sollen, sondern dass es gut ist, dass sie politisch aktiv sind", betont Torsten Gass-Bolm, der in Freiburg Latein und Geschichte unterrichtet. Die Teachers gehen mit den Schülern nicht gemeinsam zu den Demos, allenfalls alleine in ihren Freistunden. Ihnen ist wichtig, "dass wir das Thema im Unterricht aufgreifen", sagt Viviane Sigg. Wenn die Kinder demonstrieren, bringe das "Diskussionsbedarf und das kann ich im Rahmen vom Unterricht gut einsetzen und auf andere Themen übertragen".

Peter Göttler, Lehrer für Deutsch, Geschichte und Politik aus Freiburg, sieht die Lehrkräfte in einem Dilemma, was die Schulpflicht und den Bildungsauftrag betrifft: "Eine Bildungspflicht wäre hier sicher hilfreich; dann könnte man auch mit den Klassen mal zu einer Demo gehen und dies miterleben. Das wäre Politik in der Praxis, schließlich sollen wir doch handlungsorientiert unterrichten, dass ,Geschichte' auch ,gemacht' werden kann." Die Teachers-Gruppe beruft sich dabei auf den Beutelsbacher Konsens, der 1976 beschlossen wurde. Ziel soll sein, die politische Meinung von Schülern nicht zu beeinflussen, aber deren Verstand und Urteilskraft zu fördern. Gass-Bolm ist überzeugt davon, dass Schüler Lehrer brauchen, die Position beziehen, um eine politische Meinung entwickeln zu können: "Ich würde niemals sagen, die Partei ist gut und die nicht."

Das Stuttgarter Kultusministerium begrüßt auf Anfrage das Engagement der Lehrer, setzt diesem aber Grenzen: "Klar ist aber auch, dass sie in ihrer Funktion als Lehrkraft rechtlichen Vorgaben unterworfen sind. Sie dürfen demnach beispielsweise keine Werbung für Demonstrationen machen oder zu diesen aufrufen." Bereits Anfang des Jahres habe Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU) in ihrem Brief an die Schulleitungen dafür geworben, Klimaschutz sowie politisches Engagement verstärkt im Unterricht zu vertiefen.

"Ein Aufruf hingegen, die Schulpflicht zu verletzen, wäre selbstverständlich nicht mit den dienstlichen Pflichten vereinbar. Hier vertrauen wir aber auf die Professionalität unserer Lehrkräfte und haben keinerlei Anlass, diese zu bezweifeln." So sieht es auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg (GEW): "Wir haben kein Problem damit, dass sich die Beschäftigten im Rahmen ihrer Möglichkeiten beteiligen", so Pressesprecher Matthias Schneider. "Die Lehrer sind sich ihrer Rolle sehr gut bewusst."

Streiken, das dürfen die Schüler nicht. So heißt es schon im Beschluss des Kultusministeriums von 1973: "Die Teilnahme an Demonstrationen rechtfertigt nicht das Fernbleiben vom Unterricht oder eine sonstige Beeinträchtigung des Unterrichts." Doch während der Streiks versäumen die Schülerinnen und Schüler Unterrichtsstunden. Über die Konsequenzen ist man sich bislang uneinig. Von Schule zu Schule seien die Sanktionen unterschiedlich, berichten die Teachers.

"Bei uns ist es so, dass die Schüler aufgeschrieben und die Eltern informiert werden. Ansonsten obliegt es den Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern, Entscheidungen zu fällen. Die sind jedoch noch nie hart ausgefallen", sagt Gass-Bolm. Die fehlenden Anweisungen verunsichern die Schulleitungen. "Bei mir an der Schule gibt es einige Kollegen, die sagen, sie finden Fridays for Future inhaltlich gut. Aber es ist halt auch eine große Scheu da, weil der Verzicht auf die Teilnahme ein Tabubruch ist", sagt Viviane Sigg. "Da herrscht große Unsicherheit, wie dem begegnet werden darf und inwiefern man sich als Lehrer positionieren kann damit man dienstrechtlich nichts falsch macht."

zurück zur Lehrerseite