Gisela Friederich für die Tiere am Waldsee

BZ vom 24.4.12: Die Kröten sind ihr Leben

Seit 25 Jahren engagiert sich Gisela Friederich für die Tiere am Waldsee – das wurde nun gefeiert.

WALDSEE. Viele große und kleine Krötenfans waren am Sonntag zum Waldsee gekommen, um ein besonderes Jubiläum zu feiern: Vor 25 Jahren rief die Pädagogin Gisela Friederich dort einen Amphibienschutzdienst ins Leben, den sie bis heute betreut – und der die Zahl der Kröten erheblich vergrößert hat.

So fühlt sich eine Kröte an: Gisela Friederich (links) gibt Kindern gerne ihr Krötenwissen weiter – und zwar schon seit 25 Jahren. Foto: Thomas Kunz

Begonnen hatte der Krötendienst einst als Arbeitsgemeinschaft am Wentzinger-Gymnasium im Jahr 1987. Letztlich wurde daraus eine Lebensaufgabe für die inzwischen pensionierte Biologie-Lehrerin Gisela Friederich: Unzählige Stunden hat die 71-Jährige mit ihren Helfern in den letzten 25 Jahren damit verbracht, Amphibien sicher zum Waldsee und wieder zurück zu bringen. Insgesamt rund 25 000 Krötenpärchen und ein Mehrfaches an einzelnen Krötenmännchen waren es wohl in dieser Zeit, dazu kommen zirka 5000 Frösche sowie Molche und Salamander. Die Helfer mussten sich rund eine halbe Million Mal bücken, doch das Mühen hat sich gelohnt: Während etliche Amphibien-Vorkommen in der Region erloschen sind, hat sich die Population am Waldsee vergrößert (siehe Infobox).


Dem hartnäckigen Einsatz der stadtbekannten Naturschützerin ist es auch zu verdanken, dass die Waldseestraße seit 2002 jährlich zur Zeit der Krötenwanderungen gesperrt wird. Das hat zum einen den Amphibien gut getan – insbesondere den Feuersalamandern, die direkt im Graben neben der Straße leben. Andererseits ermöglichte dies der passionierten Pädagogin Friederich, Kindergärten und Schulklassen in das Projekt einzubinden, was zuvor wegen des Verkehrs problematisch war.

Dass der jungen Generation die Arbeit mit den Kröten Spaß macht, konnte man an der Altersstruktur des Festpublikums erkennen: Mehr als die Hälfte der rund 150 Gäste waren Kinder und Jugendliche. Eine dritte Klasse der Adolf-Reichwein-Schule aus Weingarten und Kinder des Kindergartens St. Peter und Paul in St. Georgen trugen den Kröten und "ihrer" Frau Friederich sogar ein Ständchen vor.

Auch von offizieller Seite gab es Anerkennung: "Ihre Arbeit ist in doppeltem Sinne nachhaltig", betonte Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik (Grüne). Das außergewöhnliche Engagement Friederichs habe das Überleben der Amphibien am Waldsee ermöglicht, zugleich werde damit auch der Artenschutz-Gedanke bei der nächsten Generation wach gehalten. "Und das ist heute nicht immer leicht", sagte die Bürgermeisterin. Freiburgs Nabu-Vorsitzender Dirk Niethammer lobte ebenfalls den Einsatz von Gisela Friederich, die auch Leiterin der Naturschutzjugend (Naju) ist, und zeichnete sie mit der Goldenen Ehrennadel des Nabu aus. Vom Bachpaten-Förderverein bedankte sich die Vorsitzende Hella Heuer-Klug für die langjährige Übernahme der Bachpatenschaft am Waldsee.

Gisela Friederich gab sich eher bescheiden und dankte vor allem den vielen Helfern, die sie über die Jahre hinweg unterstützt haben. Um den Schutz der Waldsee-Amphibien in Zukunft gewährleisten zu können, müsse man den Möslepark zum Lebensraum ohne Hindernisse entwickeln. "Es ist daher wichtig, dass die Waldseestraße in diesem Bereich komplett entsiegelt wird", betonte die Naturschützerin im Hinblick auf das geplante Möslepark-Konzept (die BZ berichtete).

Neben Dankesworten gab es Spiele rund um den See, das Waldsee-Restaurant spendierte Kaffee und Kuchen, für Musik sorgte das Freiburger "Trio Collage".

AMPHIBIEN AM WALDSEE

Seit Beginn der Hilfe vor 25 Jahren hat sich die Zahl der über die Waldseestraße getragenen Krötenpaare mehr als vervierfacht: 1987 waren es 362, inzwischen schwankt die Zahl von Jahr zu Jahr zwischen 1000 und 2400 Paaren. Insgesamt leben im Gebiet um den Waldsee und Möslepark rund 20 000 Kröten, 350 Grasfrösche und 100 Feuersalamander. Dazu kommen noch Bergmolche, deren Zahl sich aber nur schwer ermitteln lässt. Sämtliche Arten sind geschützt