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BZ-Bericht über Frank Nagel-Gallery vom 18.11.08

"Das Image behindert unsere Arbeit"

Lehrer haben morgens recht und mittags frei. Solche Sprüche sind es, denen Gymnasiallehrer Frank Nagel-Gallery und ein Dutzend Kollegen den Kampf angesagt haben. Sie sind bei der gewerkschaftlichen Nachwuchsabteilung "Junge GEW" organisiert. In den vergangenen vier Wochen haben die Junglehrer mit provokanten "Nachdenk-Würfeln" in der Innenstadt und im Internet Aufklärungsarbeit geleistet. BZ-Mitarbeiter Holger Schindler hat mit dem 34-jährigen Pädagogen vom Wentzinger-Gymnasium gesprochen.

Gymnasiallehrer Frank Nagel-Gallery vom Wentzinger-Gymnasium | Foto: Privat

BZ: Herr Nagel-Gallery, Sie haben bei Ihrer Aktion sämtliche Klischees über Lehrer aufgegriffen und als Anknüpfungspunkte genutzt, um über die tatsäch lichen Bedingungen an den Schulen zu informieren. Denken Sie, dass Sie damit etwas bewegen?
Frank Nagel-Gallery: Wir sind auf sehr großes Interesse gestoßen. Natürlich haben uns nicht alle positive Rückmeldungen gegeben, aber offensichtlich ist Bildung derzeit echt ein Megathema. Jetzt werden wir erst einmal Rückschau halten und die Besucherstatistik im Internet auswerten. Aber es ist gut möglich, dass wir kommendes Jahr wieder an die Öffentlichkeit gehen. Wir müssen etwas gegen die falschen Vorurteile über Lehrer tun.
BZ: Sie sind im sechsten Berufsjahr. Würden Sie heute wieder Lehrer werden?
Nagel-Gallery: Auf jeden Fall. Es ist einfach ein toller Beruf. Allerdings haben wir einerseits mit widrigen Rahmenbedingungen zu kämpfen, etwa zu großen Klassen oder der schlechten Finanzierung der Schulen, und andererseits auch mit unserem miesen Image. Das behindert unsere Arbeit. Denn schon Kindern wird so vermittelt: Eure Lehrer sind faul oder unfähig oder anderes. Entsprechend verhalten sie sich dann in der Schule.

 

BZ: Wenn Sie das Lehrerimage frei bestimmen könnten, wie sähe es dann aus?
Nagel-Gallery: Zentral wäre, dass der Lehrerberuf wieder als einer der wichtigsten Berufe überhaupt angesehen wird. Es geht ja um die Bildung und die Erziehung der nächsten Generation. Und ich würde mir wünschen, dass die Menschen anerkennen, wie zeitintensiv und herausfordernd das Lehrerdasein ist.