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BZ-Bericht über Franzkarl Opitz - Der Dauer-Dauerkartenbesitzer

LEUTE IN DER STADT: Seit 1985 sitzt Franz-Karl Opitz auf der Haupttribüne und hat seither nur knapp ein Dutzend SC-Spiele verpasst

Von unserem Redakteur Joachim Röderer

Morgen rollt wieder der Ball beim Sportclub Freiburg. Eine neue Saison, ein neues Spiel, eine erneuerte Mannschaft. Doch eines ist wie immer: Franz Opitz sitzt auf der Haupttribüne im Block B — wie in jeder Saison seit 1985. Nur zwölf Heimspiele hat er seit damals verpasst. Er ist der Dauer-Dauerkartenbesitzer. Er hat alle Hochs und Tiefs der letzten SC-Jahrzehnte miterlebt. Für die neue Saison hofft der Studiendirektor auf ein Hoch: "Die Mannschaft hat sich vernünftig verstärkt — ich traue ihnen eine gute Rolle zu" .

Daumen hoch für den
SC Freiburg: Franz-Karl Opitz

 

Es war Ende der 70er-Jahre, als sich der Franz Opitz, gebürtiger Karlsruher, den Sportclub als seinen Verein auserwählt hat. Damals sei der SC überraschend aus der Amateurliga aufgestiegen, erinnert er sich. Opitz hat sich bewusst für den damaligen Underdog in der Freiburger Fußballwelt entschieden. Er erinnert sich an Zweitligaspiele mit 600 Zuschauern gegen den MTV Ingolstadt. Und an ein Match bei starkem Regen, bei dem alle Zuschauer auf die Haupttribüne ins Trockene durften. Obwohl die Haupttribüne damals viel kleiner war, fanden alle Platz.

Anfangs verfolgte Franz Opitz und ein Kumpel die Spiele von den Stehplätzen aus. Dann hat er 1985 um Weihnachten herum in einer Anzeige in der BZ gelesen, dass der Verein für die zweite Saisonhälfte Dauerkarten anbietet. "Dann setzen wir uns einmal für eine Rückrunde hin" , beschlossen die beiden Fans. Die Dauerkarte erwarben sie direkt beim Präsidenten Achim Stocker. Zu Hause im Wohnzimmer. Den Platz konnten sie sich frei auswählen. Haupttribüne, Block B, Reihe 17.

Von seinem Sitzplatz aus hat Franz Opitz zunächst nur miterlebt, wie der SC gegen den Abstieg kämpfte — damals in jeder Saison mit einem anderen Trainer. Bis 1991 Volker Finke kam, der SC 1993 den Aufstieg schaffte und ganz Freiburg vor Fußballeuphorie bebte. Plötzlich wurden Dauerkarten zu einer harten Währung: "Es wurde einem viel Geld dafür geboten" , erinnert sich Franz Opitz und winkt ab: "So etwas kam für uns als Fans natürlich nie in Frage" . Fußballdeutschland musste sich an den SC in der Bundesliga erst gewöhnen. Beim ersten Gastspiel in Köln sangen die dortigen Fans "Zieht den Bayern die Lederhosen aus" . Geografiekenntnisse: mangelhaft.

Als die Kölner den Freiburgern die Lederhosen ausziehen wollten

Wer die Sache mit den Lederhosen, den Bayern und dem Ausziehen erledigt hat, war eines schönes Abends im Dreisamstadion dann der SC: Das legendäre 5:1 gegen den deutschen Rekordmeister ist für Franz Opitz die schönste aller Heimspielerinnerungen. Von den Auswärtsspielen wird er nie das 2:0 in Duisburg vergessen, als der eigentlich schon abgestiegene SC im Wedaustadion noch den Klassenerhalt schaffte. "Das war einzige Mal, dass ich nach einem Fußballspiel geweint habe" , erzählt er. Natürlich hat er auch die UEFA-Cup-Auftritte des SC miterlebt, alles unvergessene Momente. "Ich bin Volker Finke unendlich dankbar, dass so eine Fußballkultur in Freiburg aufgebaut worden ist" . Und dass der SC Freiburg ein sympathischer Verein geblieben ist, was sich immer an der freundlichen Aufnahme bei Auswärtsspielen gezeigt habe: "Ah, schön aus Freiburg" , hätte es da immer geheißen.

Es gab auch Niederlagen: Der letzte Bundesliga-Abstieg, die Art und Weise, das sei grauenhaft gewesen, sagt Franz Opitz. Er habe da einen Trainerwechsel befürwortet: "Ich hänge am Verein, nicht am Trainer" . Und für ihn sei Präsident Stocker die Identifikationsfigar des SC. "Ich erinnere mich noch, wie ich ihn gesehen habe, als er auf dem Mittelstreifen der Basler Straße Plakate aufgehängt hat" .

Franz Opitz arbeitet als Lehrer für Französisch und Englisch am Wentzinger-Gymnasium und als Pädagoge imponiert ihm auch die Fußballschule des SC, die über den Sport hinaus mit guten Leuten eine gute Arbeit leiste. Deswegen ist er auch voller Überzeugung Mitglied im Förderverein geworden.

Nun kommt also eine neue Saison. Natürlich wird Franz Opitz auch Morgen gegen die Löwen wieder an seinem Platz sitzen, obwohl er derzeit auf der Mettnau am Bodensee zur Kur ist. "Aber es sind ja nur 100 Kilometer bis Freiburg ," lacht er. Und einen Beifahrer hat er auch gefunden — einen Leverkusen-Fan: "Der will unbedingt dabei sein, den bringe ich mit" .