Schulinfo Wentzinger
Der Spagat zwischen Fördern und Fordern

Der Spagat zwischen Fördern und Fordern - Unterrichten in heterogenen Klassen

„Was wir zu lernen haben, ist so schwer
Und doch so einfach und klar:
Es ist normal, verschieden zu sein.“

In der Aussage des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahre 1993, dessen Kinder in reformpädagogischen Schulen unterrichtet wurden, verbirgt sich ein Kerngedanke bildungspolitischer Diskurse der vergangenen 20 Jahre in der Bundesrepublik - erfolgreiches Lernen in zunehmend heterogenen Gruppen nicht an einem fiktiven Durchschnittsschüler im Sinne eines Lernens im Gleichschritt auszurichten, sondern als individuellen Vorgang zu erkennen und entsprechend unterrichtlich zu gestalten.

Unsere pädagogischen und unterrichtlichen Überlegungen am Wentzinger-Gymnasium haben sich seit dem Schuljahr 2012/2013 angesichts dieser gesamtgesellschaftlich bedingten Heterogenität dahingehend ausgerichtet, individuelle Förderstunden in der Unterstufe mit dem pädagogischen Modell des Teamteaching in Deutsch (Klassenstufe 5), Mathematik (Klassenstufe 6) und den Fremdsprachen (Klassenstufe 7) zu versehen. Dieses punktuelle Unterrichten mit zwei Fachlehrern in einer Klasse eröffnet unterschiedlichste Vorgehensweisen und Ergebnisse. So können sich zwei Kollegen sowohl über die Jahresplanung als auch die Aufgabendifferenzierung flexibel und zeitnah austauschen. Es ist ein individuelles klassenbezogenes Arbeitstempo möglich und der für die Unterstufenklassen sehr wichtige Klassenverband ist nicht aufgehoben. Schüler werden emotional aufgefangen und die Lernatmosphäre verbessert sich infolge der verstärkten Interaktion zwischen Schülern und Lehrern.

Eine Diagnose des Unterrichtes sowie gegenseitige Reflexion über die Beobachtungen erfolgt im Team. Die beiden Lehrer sschauen Schülerinnen und Schülern über die Schulter, d.h. sie beraten individuell. Als wesentlich erscheint uns die zusätzliche Lernreflexion zu sein, d.h. individuelle Coaching-Gespräche von einem der Team-Lehrer mit jeweils einem Schüler,während der Kollege die Klasse unterrichtet. Individuelle Fördersterne, die die Kollegen über Jahre entwickelt und verfeinert haben, dienen als Feedback für Schüler und Eltern. Die Lernenden nehmen das binnendifferenzierte Unterrichten im Unterrichtgut an, weil auch schwächere Schüler durchaus den Ehrgeiz verspüren, sich an ihre Leistungsgrenzen zu wagen. Stärkere Schüler wiederum können als Lernunterstützer dienen und, durch Zusatzmaterial motiviert, in ihren fachlichen und sozialen Kompetenzen gefordert werden. Darüber hinaus steht ab dem Schuljahr 2016/17 ein Lernatelier zur Verfügung, in welchem es zusätzliche Möglichkeiten innerer und äußerer Differenzierung gibt. Die am Wentzinger-Gymnasium seit den 90er Jahren intensiv praktizierte Freiarbeit in den Hauptfächern kann so mithilfe des Lernateliers fortgesetzt werden. Anknüpfend an das Teamteaching-Modell der Unterstufe ist für die Mittel-und Oberstufe des neuen Bildungsplanes im G9-Schulentwicklungsprozess das Fördern und Fordern stärker in leistungsdifferenzierten und jahrgangsübergreifenden Schülergruppen in den Fremdsprachen (Klassenstufe 8,10) und der Mathematik (Klassenstufe 11) geplant, um altersangemessen auf die kommende Oberstufenarbeit vorzubereiten. Das Freiburg-Seminar bietet darüber hinaus für die mathematisch und naturwissenschaftlich begabten Schülerinnen und Schülern universitäre Anreize ab der Klassenstufe 8. Zusätzliche Vertiefungsstunden in der Klassenstufe 11 können als Teamteachingstunden in Deutsch und den Fremdsprachen genutzt werden.

Dagmar Casetou, Abteilungsleiterin für innere Schulentwicklung

 

Allgemeine Bemerkungen zum Teamunterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik und in der ersten Fremdsprache

Teamteaching Struktur