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Medienmissbrauch und Mediensucht

Medienmissbrauch und Mediensucht

Das Thema Medienmissbrauch und Medienabhängigkeit drängt sich mir als besorgniserregendes Thema - und dies in den vielfältigsten Erscheinungsformen des pädagogischen Alltags - seit einiger Zeit intensiv und massiv auf. Beobachtungen bei meinen Schülern, Gespräche mit Eltern, Gespräche mit Kollegen, Kenntnisnahmen von Sachverhalten durch und mit Hilfe von Medien (Fernsehreportagen, Nachrichten, Internetbeiträge - siehe Zusammenstellung auf dieser Seite) und anderes haben mich nachdenklich gemacht und zugleich bestürzt, da das Ausmaß und die Tiefe des Problems auf der einen Seite und eine beispiellose Hilflosigkeit im Versuch, hier unterstützend zu wirken, mich als Pädagogen und gleichermaßen als "Normalmenschen" umhauen. Ich möchte am Wentz das Thema immer wieder ansprechen und selbst als Nichtpsychologe und Nichttherapeut auf Symptome und Hilfestellungen hinweisen.
Hier In aller Kürze der Versuch, Problemfelder zu beschreiben und Ideen zu formulieren, wie an diese herangegangen werden kann.

I. Nach meinem jetzigen Stand gibt es sehr unterschiedliche Suchtgefahren, die sich abhängig zeigen von Alter und Geschlecht unserer Kinder und Jugendlichen. Oft überschneiden sich auch Suchtformen.

1. Computerspiele (X-Box, Nitendo, Playstation, Onlinespiele)
2. Internet interaktiv (interaktive Plattformen z.B. SchülerVZ , ICQ, Blogs, Chatten)
3. Fernsehen u.ä.
4. Internet Spanner (Gewalt, Sex, perverser Humor)

II. Zur Beurteilung, ob ein Kind oder Jugendlicher süchtig oder suchtgefährdet ist, oder die Medien jedoch sinn- und maßvoll nutzt, hier ein paar Kennzeichen, die ich frei von der Internetseite www.onlinesucht24.de adaptiert und aus Lehrersicht ergänzt habe.

- Häufiges unüberwindliches Verlangen, das Medium/die Medien zu nutzen. (mehr als ca. 15-20 Stunden in der Woche)

- Kontrollverluste (d.h. länger „online“ bleiben, spielen oder fernsehen, als man sich vorgenommen hatte) verbunden mit diesbezüglichen Schuldgefühlen

- Aufgabe oder Einschränkung anderer Hobbys und hobbyähnlicher Aktivitäten

- sozial störende Auffälligkeit im engsten Kreis der Bezugspersonen (Freunde, Partner, Familie), häufige Rügen durch unmittelbare Bezugspersonen, Sozialkontakte werden nicht mehr real gepflegt, Freundschaften gehen kaputt oder werden vernachlässigt

- nachlassende Arbeitsleistung, schulische Probleme, Konzentrationsprobleme, Versagen in eigentlich beherrschbaren Schulfächern

- Verheimlichung/Bagatellisierung der Aktivitäten vor der Umwelt, Hinweis auf gleiches Verhalten im "Freundeskreis" , Notlügen, Halbwahrheiten werden genutzt, um Fehlverhalten zu vertuschen

- Psychische Irritabilität bei Verhinderung (kann sich auswirken in Form von Nervosität, Reizbarkeit, Aggression und Depression)

- Mehrfach fehlgeschlagene Versuche der Einschränkung

III. Sollten Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind langsam aber sicher außer ihrer elterlichen Kontrolle gerät, hier ein paar Spielregeln, die helfen könnten.

1. Vereinbaren Sie Zeitfenster der Mediennutzung!

Vereinbaren Sie bestimmte Zeiten, wann das entsprechende Medium genutzt werden darf, wann nicht.
Zur sicheren Kontrolle der Zeiten und der Inhalte beim Internetzugang legen Sie auf Windows einen Benutzer für Ihr Kind an und installieren Sie auf dessen Konto das Programm k9 webprotection (kostenlose Kindersicherung)
Andere kostenpflichtige Programme sind: www.wintimer-kindersicherung.de und www.salfeld.de
Achten Sie darauf, dass die Schularbeiten und weitere Verpflichtungen zuerst erledigt sein müssen, ehe überhaupt über die Mediennutzung debattiert wird.

2. Prüfen Sie die qualitative und gesetzliche Eignung der Medien.

Es gibt wahnsinnig viele Möglichkeiten der Mediennutzung, die qualitativ keinem einzigen Menschen auf der Welt nur annähernd in seiner Intelligenz und Würde gerecht zu werden vermögen. Verlieren Sie nicht Ihren gesunden Menschenverstand - nur deshalb, weil Hunderttausende oder Millionen ihn schon verloren haben. Es gibt gute und schlechte Spiele, Filme, Internetseiten usw. Machen Sie einen Unterschied!
Wenn Sie nicht sicher sind, ob die Unterhaltungssoftware für das entsprechende Alter freigegeben ist, gehen Sie auf die Prüfdatenbank der Seite "www.usk.de" und geben den Titel ein. Wenn Sie dies spaßeshalber für das Ego-Shooter-Spiel "counter strike" machen, so achten Sie dabei auf die entsprechenden angegebenen Details.
Auf dieser Seite finden Sie weitere Informationen zum Thema Altersbeschränkung und Mediennutzung.
Lassen Sie sich nicht auf Diskussionen ein, sondern bestehen Sie auf die Einhaltung offizieller Regeln. (Jugendschutzgesetz, offizielle Altersbeschränkungen, Regeln der Schule, aber auch eigene Familienregeln, an die sich alle Familienmitglieder halten usw.)

Eine hilfreiche Broschüre des Landesamtes für Medien in NRW zum Thema Computerspiel finden Sie hier.

3. Halten Sie sich nicht heraus!

Lassen Sie Ihr Kind regelmäßig Bericht erstatten, wie es das Medium genutzt hat. Lassen Sie sich z.B. im Bereich "Internet" die aufgerufenen Seiten zeigen und stellen Sie Ihrem Kind offene und direkte Fragen dazu. Hierzu Checken Sie erst einmal ihr eigenen Internet-Kenntnisse, damit Sie die Probleme kompetent ansprechen können. Hier ein online-check zur Internetsicherheit. Wenn Sie Lücken haben, so finden Sie vielleicht Antworten unter www.klicksafe.de/

4. Finden Sie gleichgesinnte Eltern - gehen Sie offen mit Problemen um

Sprechen Sie mit befreundeten Eltern bzw. mit Eltern, mit deren Kinder Ihr Kind spielt oder als Vorbild/Vorwand genannt werden. Finden Sie gleiche Regeln und halten Sie bei Auseinandersetzungen zusammen. Lassen Sie sich nicht hintergehen und austricksen.
Gehen Sie mit Humor und unverblümter Offenheit an die Sache. Sehen Sie sich selbst nicht als Schuldiger, sondern als jemand, der helfen und eingreifen möchte und muss. Das ist Ihr Job als Vater/als Mutter. Elterliche Scham ist keine Ausrede. Gehen Sie offen auf Lehrer Ihres Vertrauens zu und machen Sie diese in bestimmten Fällen zu Ihren Mithelfern. Wir Lehrer sind nicht Ihre Feinde, sondern im schlechtesten Fall Berichterstatter und Beobachter. Im besseren Fall Unterstützer und Berater.

5. Bieten Sie Alternativen

Nur Verbieten löst keine Probleme. In der Regel sind unsere Kinder in einem Alter der Selbstfindung, der Selbstkritik, der Selbstsucht, der Orientierung nach Innen und Außen. Hierzu benötigen Sie auch Möglichkeiten der Abschottung, der Ablenkung und Abwendung. Diese Nischen können und müssen aber andere sein als solche, die die Persönlichkeit Ihrer Kinder verändert oder sogar in manchen schlimmen Fällen abtötet. Bieten Sie hier Alternativen, unterstützen Sie ihr Kind in der Suche nach netten Freunden, kümmern Sie sich um kreative Freizeitmöglichkeiten, unternehmen Sie am Wochenende spannende Sachen und zeigen Sie, dass das reale Leben einen Mehrwert hat im Vergleich zu dem aus zweiter Hand. Zeigen Sie Ihrem Kind ganz offensiv, dass Sie sich sorgen und es Ihnen helfen kann, diese Sorgen zu nehmen.